Caminho Portugues – Tag 2

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Vom Campingplatz Angeiras über Vila do Conde nach Rates

Atlantikküste mit Sandstrand und Holzsteg

Meine erste Nacht als Pilgerin war leider ganz furchtbar.
Weil der Bungalow nicht isoliert war, fror ich wie der sprichwörtliche Schneider. Mein Sommerschlafsack war viel zu dünn, denn an der Atlantikküste sind die Nächte auch im Mai noch empfindlich kalt. Außerdem war irgendwo in der Nähe ein Open-Air-Konzert, denn bis 2:30 Uhr waren Musik und Jubel zu hören. Ich konnte erst schlafen, als draußen Ruhe herrschte und ich sowohl meine Sporthose als auch eine Jacke im Schlafsack angezogen hatte.

Tag 2 auf dem Caminho Portugues - von Angeiras über Vila do Conde nach Rates
Holzstege, kilometerweit

So kam ich dann immerhin auf etwa drei Stunden Schlaf. Erholsam ist jedenfalls etwas Anderes und im Nachhinein frage ich mich, ob der folgende Tag mit mehr Erholung besser geworden wäre.
Da es erst ab sieben Uhr Frühstück gab, konnte ich mir ausreichend Zeit beim Rucksackpacken lassen. Hier hatte ich definitiv noch Optimierungsbedarf, schließlich musste alles, was ich mithatte, irgendwie reinpassen, das Gewicht sollte gut verteilt und obendrein auch noch das Wichtigste griffbereit sein.
Dass der Kaffee in Portugal lecker sein soll, war mir schon zu Ohren gekommen. Aber dass er so lecker ist, hatte ich nicht erwartet. Schon nach der ersten Tasse fragte ich mich, wie ich jemals wieder die Plörre in Deutschland trinken sollte (Spoiler: Es geht, aber ich suche noch nach dem ultimativen Rezept).

Holzstege

Die ersten beiden Stunden am Meer waren fantastisch.
So früh am Morgen waren nur wenige Menschen unterwegs, die Luft war frisch und noch nicht zu heiß, das Meer brandete gegen das Ufer und die bizarren Felsformationen waren ein wahrer Augenschmaus.

Atlantikküste: Sandstrand mit Holzsteg
Zwischen Angeiras und Vila do Conde

Doch je später es wurde, desto voller war auch der Weg. Immer wieder musste ich Joggern und Radfahrern ausweichen, die Sonne brannte, und irgendwie reichte es langsam mal mit den Holzstegen.
Der Caminho Portugues hat zwei Hauptstrecken: Die noch relativ neue Variante da Costa, auf der ich mich gerade befand, und den »alten Weg«, den Camino Central im Landesinneren. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von der Küstenvariante auf den zentralen Weg zu wechseln. So faszinierend die Atlantikküste auch war, so interessierte mich doch das Landesinnere mehr und ich erwartete größere Abwechslung entlang des Weges und unter den Sohlen.

Also entschied ich, in Vila do Conde auf den Camino Central zu wechseln.
Doch vorher wollte ich mich noch gebührend von der Küste verabschieden und ging in ein Café, um bei einem schönen Kaffee noch einmal sinnierend auf den Atlantik zu blicken. Doch wer saß bereits dort? Birgit!
Wir beschlossen, den Weg in Richtung Rates gemeinsam zu suchen. Draußen vor dem Café saßen auch noch Regina, Marianne und Heike, meine pfälzischen Tischnachbarinnen vom Vorabend. Irgendwie fühlte es sich gut an, in der Fremde immer wieder auf bekannte Gesichter zu treffen.

Asphalt

In Vila do Conde teilte sich der Weg: Links ging es weiter an der Küste, rechts in Richtung Landesinneres. Soweit die Theorie.
Die Praxis war weniger einfach, denn direkt im ersten größeren Ort lernte ich ein Problem kennen, das sich bis einschließlich Santiago weiterführen sollte: In Städten fehlen Pfeile.
Außerorts gibt es so viele Markierungen, dass man sich eigentlich kaum verlaufen kann (hüstel, dazu später mehr), innerorts, wo die Pfeile wirklich wichtig wären, fehlen sie größtenteils.

Aqueduto de Santa Clara in Vila do Conde
Aqueduto de Santa Clara in Vila do Conde

Mittlerweile waren wir zu dritt und nahmen nicht nur den gelben und den roten Wanderführer zu Hilfe, sondern auch noch eine App. Nach anfänglicher Verwirrung fanden wir dann tatsächlich den richtigen Weg, und von da an lief wieder jede für sich.
Die Strecke zog sich. Die Sonne brannte. Die Portugiesen waren schreckliche Autofahrer. Der Weg führte durch ein Industriegebiet. Es wurde immer heißer. Ich wünschte mir die Holzstege zurück, um nicht Kilometer um Kilometer auf Asphalt laufen zu müssen. Immer wieder musste ich mich mit meinem Rucksack an Hauswände oder Mauern pressen, um nicht mit 70 km/h umgenietet zu werden. Die zahlreichen Warnhinweise entlang des Weges beeindruckten die Autofahrer jedenfalls nicht.

„Busy road“

Ach, hatte ich schon erwähnt, dass es heiß war?
Es war furchtbar. Kein Ort, keine Menschen, kein Café, dafür Autofahrer im Kamikazemodus auf Straßen ohne Gehwege. Warum nur waren so viele Menschen im Internet so begeistert von diesem Weg? War ich vielleicht einfach von meiner Mittelgebirgsheimat verwöhnt? Kannten die anderen womöglich keine besseren Wege?

Kopfsteinpflaster

Der überhitzte Asphalt unter meinen Füßen wurde nur vom berühmt-berüchtigten Kopfsteinpflaster abgelöst.
Die Hitze, die rücksichtslosen Autofahrer und die wenig ansprechende Streckenführung machten mich mürbe und ich wollte nur eines: ein Bett. Ich würde sogar ein teures Hotelzimmer nehmen, damit dieser Tag endlich ein Ende hätte. Nur noch über diese Autobahnbrücke, dann würde ich das erstbeste Bett in Arcos nehmen.
Aber wie war das noch mit den Plänen?
Hinter einer Biegung sah ich auf einmal Pilger aus einem Waldstück kommen. Der Camino Central! Menschen mit Rucksack, Pilgerhut und Wanderstöcken spazierten gut gelaunt auf einem Feldweg, und irgendwie sahen sie deutlich entspannter aus, als ich mich fühlte. Als dann auch noch die langweiligen aufgemalten gelben Pfeile durch glänzende Kacheln mit Jakobsmuschel ersetzt wurden, konnte ich auf einmal ungeahnte Kräfte freisetzen.
Ein Ehepaar aus Kalifornien begleitete mich noch von Arcos bis nach Rates, ich konnte mein Englisch ein wenig aufpolieren und bemerkte kaum, wie sich Kopfsteinpflaster und Asphalt abwechselten.

Zitronenbaum hinter alter Mauer
Duftende Zitronenbäume

Diese 5 km fühlten sich mehr nach Pilgern an als alles, was ich bis dahin auf dem Weg erlebt hatte. Als ich dann endlich nach 25 km die öffentliche Herberge in Rates erreichte, war ich den Tränen nahe. Auf die körperliche Erschöpfung folgte ein wunderbarer, herzlicher Empfang und ich spürte erstmals so etwas wie »Pilgerfeeling«.
Die elf Betten in dem Schlafsaal sah ich als Herausforderung an und freute mich erstmal auf die Dusche und ein kühles Bier. Birgit war schon längst da, wir tranken Bier und aßen Oliven im Innenhof der Herberge und gingen später zu sechst ein Pilgermenü essen. Anschließend saßen wir noch bis nach Einbruch der Dunkelheit im Innenhof, quatschten, lachten, blödelten und ich lernte wieder neue Leute kennen.
Ich ahnte, dass Pilgern doch etwas anderes war, als in der Mittagshitze auf langweiligen Straßen zu laufen.

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Ich bin dann mal … auf dem Jakobsweg!

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Seit dem Ende der #11StepsChallenge war es hier im Blog relativ ruhig, das hat aber auch besondere Gründe.

Zum Einen schreibe ich gerade wirklich fleißig am neuen Siegerland-Krimi.
Auf dem MädelsKramMarkt vor knapp drei Wochen in der Siegener Innenstadt haben einige von euch ja schon Cover und Titel des Buches kennenlernen können, und auch die Newsletter-Abonnenten wissen schon Bescheid. Alle anderen müssen sich noch ein wenig gedulden …
Das intensive Schreiben hat allerdings zur Folge, dass mir für den Blog die Zeit, manchmal aber auch die Muße fehlt. Außerdem sind noch ein paar Wanderungen aufzuarbeiten, zum Beispiel vom Natursteig Sieg. Aber das kommt noch, versprochen!

Rucksack mit Wanderschuhen, Karte und Kompass
Symbolbild

Trommelwirbel!

Der Hauptgrund ist aber ein ganz anderer:
In wenigen Tagen beginnt mein Jakobsweg!
Anfang Mai fliege ich nach Porto, um von dort aus den Caminho Portugues zu starten – 240 km in 13 Tagen Gehzeit sind geplant.
Der Caminho Portugues hat mehrere Varianten:
a) den traditionellen Weg Caminho Portugues Central durchs Landesinnere,
b) die Variante Caminho Portugues da Costa an der Atlantikküste und
c) die Variante Espiritual do Caminho Portugues, ein Abzweig, den man sowohl von der Küste als auch vom Landesinneren aus nehmen kann.
Das Ziel ist natürlich Santiago de Compostela in Galizien.

Normalerweise bin ich nicht sonderlich gut strukturiert (sonst käme ich wohl nie auf die Idee, mitten in der Arbeit für meinen neuen Roman zwei weitere Bücher zu veröffentlichen!) – aber für den Caminho Portugues fühle ich mich gut vorbereitet.
Schon als im vergangenen Herbst die Idee in mir reifte, begann ich, das Internet nach Tipps und Tricks zu durchforsten. Dafür trat ich auch in eine Facebook Gruppe ein, in der es für jede nur denkbare Frage auch kompetente Antworten gibt. Außerdem fand ich dort auch Antworten auf Fragen, die mir niemals in den Sinn gekommen wären (Stichwort Struktur …).

Das Gepäck für den Jakobsweg

Der Rucksack

Mein erster Packversuch zeigte mir, dass mein 32 Liter-Wanderrucksack zu klein für die Unternehmung ist. Es hat zwar alles irgendwie reingepasst, aber für Proviant war dann kein Platz mehr. Also legte ich mir einen 38 Liter-Rucksack zu, der trotz seines größeren Volumens sogar noch leichter ist als mein normaler Wandererrucksack.

Die Schuhe

Ein größeres Problem waren hingegen die Schuhe. Normalerweise laufe ich ausschließlich barfuß oder in Barfußschuhen. Meine Füße haben damit ausreichend Platz und ich kann beim Gehen schön abrollen. Für so eine große Belastung wie den Jakobsweg traue ich mir Barfußschuhe aber nicht zu. Wegen des zusätzlichen Gewichts hätte ich gern Dämpfung im Schuh, außerdem gehe ich im Fersengang, wenn ich müde und erschöpft werde. Und das ist, in Verbindung mit dem Zusatzgewicht, ohne Dämpfung eine Qual für meine Gelenke. Für solche Experimente bin ich einfach nicht mehr jung genug.
Ich habe im Fachgeschäft bestimmt 20 oder mehr Wander- und Trailrunner-Schuhe anprobiert, sowohl für Männer als auch für Frauen. Letztlich gab es nur ein einziges Paar, das mir wirklich gut passt. Das war zwar leider auch mit das teuerste, aber da hätte ich definitiv am falschen Ende gespart.
Meine bisherigen, knöchelhohen Wanderschuhe (übrigens vom gleichen Hersteller) werden mir auf langen Strecken, wenn die Füße anschwellen, im Vorderfußbereich zu eng. Für Strecken unter 20 km oder auf felsigen Untergrund sind sie gut, taugen aber nicht für eine Langstreckenwanderung wie den Jakobsweg.

Die Ausrüstung

Den Rest der Ausrüstung wie Hosen, Merinoshirts, Wandersocken, Sonnenschutz und Stöcke habe ich ohnehin, das musste ich nicht extra kaufen.
Den Flug nach Porto habe ich bereits ein halbes Jahr vorher gebucht, mittlerweile auch die erste und die letzte Nacht in Porto (ich werde von Porto aus auch wieder zurückfliegen).
Der Rest wird sich geben.

Vom Plan, keinen Plan zu haben

Ich werde keine Etappen planen und auch spontan entscheiden, ob ich die Variante da Costa oder Central gehen werde. Auf Gronze.com gibt es ein hervorragendes Unterkunftsverzeichnis und ich werde einfach so lange laufen, wie ich kann und Lust dazu habe. Als einziges Zwischenziel behalte ich im Blick, dass ich spätestens am sechsten Tag die Grenze nach Spanien überschreiten sollte.
Dann wäre auch die Hälfte des Weges geschafft.

Ich bin noch nie geflogen, ich bin noch nie so eine weite Strecke gelaufen und ich war noch nie so lange von meiner Familie getrennt. Außerdem brauche ich regelmäßige »soziale Auszeiten«, also Raum und Ruhe, um mich zurückzuziehen.
Neben der körperlichen und mentalen Anstrengung werden also Übernachtungen in Herbergen und Unterkünften mit Mehrbettzimmern eine der größten Herausforderungen für mich. Ohropax sind eingepackt, die Kopfhörer auch – aber vielleicht gefällt mir ja gerade das Zusammensein mit den anderen Pilgern besonders gut? Wer weiß das schon! :)

Pilgern oder wandern?

Da ich nicht religiös bin (ich bin aus der Kirche ausgetreten) und auch keine Probleme oder Verluste bearbeiten muss, bin ich vielleicht auch gar nicht der typische Pilger. Oder gehöre zumindest nicht zu der Art Pilger, die sich viele Menschen vorstellen.
Aber ich glaube, dass sich insbesondere auf dem Caminho Portugues viele Menschen finden, für die das Wandern, das Abenteuer und das Austesten eigener Grenzen im Vordergrund stehen und die weniger das Spirituelle suchen. Das ist aber auch völlig in Ordnung so!

Ich plane zwar keine regelmäßigen Blogbeiträge, werde hier aber hinterher auf jeden Fall eine Zusammenfassung veröffentlichen. Wer mich auf meinem Jakobsweg virtuell begleiten möchte, kann das am besten bei Instagram: Link zum Profil.
Ich möchte keine täglichen Updates versprechen, sondern lasse auch das auf mich zukommen. Aber so ganz ohne Bilder werde ich meinen Weg wohl nicht gehen.
:)

Bom Caminho – Buen Camino – Ultreia!

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Interview im Kriminetz

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„Gibt es hier eine Sommerpause?“, höre ich euch schon fragen.
Eigentlich nicht.
Mein anderes Ich musste allerdings den demnächst anstehenden Romantic-Thriller beenden, damit er termingerecht ins Lektorat gehen konnte. Deshalb war es hier ein wenig still.
Ab Ende August werde ich mich intensiv und ausschließlich um den neuen Siegerland-Krimi kümmern, damit er auch wirklich Anfang nächsten Jahres erscheinen kann!

Interview im Kriminetz

Claudia Schmid vom Kriminetz hat ein schönes Interview mit mir geführt – über Verbrechen im Siegerland, Autorennetzwerke, das Literaturcamp in Heidelberg und Pilgern auf dem Jakobsweg.
Hier geht es zum Interview im Kriminetz: Sieben Fragen an Melanie Lahmer.
Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen und ein paar schöne Sommertage – bis bald!

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