Ende der Sommerpause

Hier war es in den letzten zwei Monaten relativ still, dafür gibt es aber rückblickend einiges zu erzählen.

Zum Einen war ich gleich zwei Mal im Urlaub – einmal zum Wandern in Vorarlberg in Österreich und einmal zum Abschalten auf der wunderschönen Insel Fanö in Dänemark.
Zum Anderen hat mein Liebesroman-Ich einen neuen Roman veröffentlicht, der natürlich entsprechend viel Aufmerksamkeit und Zeit verdient (und bekommen!) hat.
Und ganz nebenbei war ich natürlich wieder im heimischen Siegerland unterwegs und habe ein paar Wanderwege genossen.

Demnächst erfahrt ihr mehr über den Kinderwanderweg „Der kleine Rothaar“ bei Bad Laasphe, den Wanderhöhepunkt „Auf Bergmannspfaden“ bei Wilnsdorf und eine weitere Etappe des Pilgerweges/Elisabethpfades von Siegen nach Hainchen.

Außerdem plane ich gerade ein völlig neues – und für mich sehr spannendes! – Projekt. Aber auch darüber erfahrt ihr demnächst mehr.

Ich freue mich über euren Besuch und grüße euch bis zum nächsten Mal!

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Interview im Kriminetz

„Gibt es hier eine Sommerpause?“, höre ich euch schon fragen.
Eigentlich nicht.
Mein anderes Ich musste allerdings den demnächst anstehenden Romantic-Thriller beenden, damit er termingerecht ins Lektorat gehen konnte. Deshalb war es hier ein wenig still.
Ab Ende August werde ich mich intensiv und ausschließlich um den neuen Siegerland-Krimi kümmern, damit er auch wirklich Anfang nächsten Jahres erscheinen kann!

Interview im Kriminetz

Claudia Schmid vom Kriminetz hat ein schönes Interview mit mir geführt – über Verbrechen im Siegerland, Autorennetzwerke, das Literaturcamp in Heidelberg und Pilgern auf dem Jakobsweg.
Hier geht es zum Interview im Kriminetz: Sieben Fragen an Melanie Lahmer.
Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen und ein paar schöne Sommertage – bis bald!

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Pilgerwege im Siegerland

»Pilgern beginnt vor der Haustür«

Alles geben – auch für Wanderer

Diesen Spruch nahm ich mir zu Herzen, packte meinen Rucksack und ging los.
Wir haben hier im Siegerland nämlich eine Besonderheit unter den Pilgerwegen vorzuweisen: Der Jakobsweg, der aus Richtung Marburg kommt und nach Köln und Aachen und im weiteren Verlauf bis nach Santiago de Compostela weiterführt, ist auch in der Gegenrichtung ein Pilgerweg. Denn von Köln kommend in Richtung Marburg heißt er Elisabethpfad, zu Ehren der heiligen Elisabeth, und endet folgerichtig an der Elisabethkirche in Marburg. Der zweite Streckenverlauf des Elisabethpfades beginnt in Eisenach und endet ebenfalls in Marburg.
Siegen liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Köln und Marburg und so stand ich vor der Wahl, entweder den Jakobsweg nach Köln zu nehmen oder den Elisabethpfad nach Marburg.

Der Jakobsweg

Vergessener Pilgerstab am Wegesrand

Nimmt man den Jakobsweg, beginnt die vierte von sieben Etappen in Siegen am oberen Schloss und führt über den Stadtwald, Oberfischbach, Freudenberg und Friesenhagen zum Crottorfer Schloss in Rheinland-Pfalz. Die knapp 25 Kilometer lange Strecke führt überwiegend durch Waldgebiete und ist deshalb auch im Sommer gut begehbar.
Ortsunkundigen empfehle ich eine ordentliche Karte, denn die Wegbeschilderung ist teilweise suboptimal, überwiegend aber gut. In Oberfischbach/Niederndorf und Hohenhain übersah ich wohl ein paar Aufkleber und habe mich teilweise ordentlich verlaufen. Nette Anwohner halfen mir dann weiter und zeigten mir den richtigen Weg (wobei ich in Hohenhain kurz vorm Aufgeben war. Die Füße taten weh, die Beschilderung war verwirrend und die Stechattacken der allgegenwärtigen Pferdebremsen nervten kolossal).

Einkehrmöglichkeiten gibt es unterwegs an der Autobahnraststätte (sofern man das mag) und in Freudenberg, je nach Wochentag und Uhrzeit eventuell auch in Oberfischbach. Ich empfehle, ausreichend Verpflegung mitzunehmen, insbesondere Wasser. Bänke und Rastmöglichkeiten gibt es rund um die Orte mehrere, im Wald hingegen kaum. Da muss man sich ein nettes Plätzchen suchen.

Die alte Brüderstraße

Elisabethpfad und Pilgerweg

Der Pilgerweg orientiert sich an der alten Brüderstraße von Siegen nach Köln, die sich bis ins Mittelalter zurückdatieren lässt. Sie war Teil der Brabanter Straße, die Leipzig und Flandern verband. Die Annahme, der Handelsweg habe schon zur Zeit der Kelten existiert, um das im Siegerland geschürfte Eisenerz nach Köln zu bringen, hat sich bisher nicht bestätigt.
Mich reizt an den Pilgerwegen weniger der konfessionelle Hintergrund, sondern ihre historische Bedeutung (auch wenn das natürlich nicht zu trennen ist). Der aktuelle Streckenverlauf ist am historischen nur orientiert, denn manche Straßen sind gar nicht mehr begehbar (wie die A45), oder der alte Verlauf streifte Gebäude und Grenzverläufe, die heute nicht mehr existieren.
Trotzdem hat sich der Weg über Freudenberg, Denklingen, Drabenderhöhe und Overath als Weg für Pilger, Fußgänger und Berittene über Jahrhunderte bewährt.

Vom Oberen Schloss nach Heisberg

Blick auf Heisberg

Der erste Teil beginnt am Oberen Schloss in Siegen, führt bergab in Richtung Berufskolleg Technik und geht dann steil die Straße hinauf in den Stadtwald. Der ist noch immer von Bombenkratern gezeichnet, obwohl die Bombardierung Siegens schon fast 75 Jahre zurückliegt (16.12.1944). Es dauert fast eine Stunde, bis endlich die Geräusche der Stadt verstummen und man oberhalb von Seelbach und Achenbach die Ruhe genießen kann. Teilweise führt der Weg entlang des historischen Rundwegs Achenbach, den ich hier beschrieben habe.
An einigen Stellen muss man Obacht geben, weil der Flowtrail Siegen dort entlangführt und man Gefahr läuft, von Mountain-Bikern umgefahren zu werden. Deshalb gibt es ausreichend Warnschilder, damit man nicht versehentlich in die Rennstrecke gerät.
Oben auf der Kuppe des Starken Bubergs hat man einen schönen Fernblick Richtung Westerwald und Rothaargebirge.
Leider läuft man dann eine weitere halbe bis dreiviertel Stunde an der Autobahn entlang und quert sie auf großzügig angelegten Asphaltstraßen, was diesen Teil des Pilgerweges sehr unattraktiv macht.
Dafür erreicht man kurz danach den kleinen Ort Heisberg, wo ich eine erste Rast einlegte.

Von Heisberg nach Freudenberg

Pilgerkühlschrank in Oberfischbach

Von Heisberg erreicht man relativ schnell Oberfischbach, wo ich meine erste Ehrenrunde drehte. Irgendwie habe ich die Aufkleber falsch interpretiert und bin letztlich in Niederndorf gelandet. Ich war schon kurz davor, an einem der Häuser zu klingeln, um nach dem Weg zu fragen, als jemand mit Motorroller vorbeifuhr. Also hielt ich ihn an und ließ mir meinen Irrtum erklären und die richtige Richtung aufzeigen.
Meine Grummeligkeit verflog, als ich das absolute Highlight des gesamten Weges entdeckte: einen Pilgerkühlschrank!
Nette Anwohner stellen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag gekühlte Getränke zur Verfügung sowie Blasenpflaster, Taschentücher und Sport-Tape. Dem beigefügten Gästebuch kann man entnehmen, wie begeistert die vorbeiziehenden Pilger und Wanderer von dem Pilger-Kühlschrank sind. Außerdem war ich doch erstaunt, wie viele Menschen tatsächlich durch Deutschland pilgern und dabei auch durchs Siegerland kommen.
Der weitere Verlauf der Strecke führt durch das schöne Dirlenbachtal hindurch bergab bis nach Freudenberg. Freudenberg liegt, entgegen seinem Ortsnamen, im Tal. Der Abstieg oberhalb des Freilichtmuseums in die Ortsmitte ist ziemlich steil und asphaltiert und damit eine arge Belastung für die Knie. Dafür führt der Weg dann weiter durch den alten Flecken, dessen Ansicht wohl den meisten Menschen bekannt ist.
Hier streift man auch Teile des Fachwerkweges Freudenberg, den ich als Wanderhöhepunkt am Rothaarsteig definitiv empfehlen kann.

 

Von Freudenberg nach Krottorf

Nach der Talquerung in Freudenberg geht es an der Bethesda-Klinik vorbei wieder bergauf in den Euelsbrucher Wald. Dort kann man mehrere Kilometer leicht bergan gehen und ist vor der Sonne geschützt. Nach einiger Zeit erreicht man die Kuppe und verlässt den Wald nach Hohenhain.
Hier ließ mich die Wegbeschilderung im Stich, sodass ich erstmal in die falsche Richtung lief. Meine Karte war zu grob, um mir weiterzuhelfen. Als ich der Verzweiflung – und der Aufgabe meines Projektes – nahe die blau-gelben Aufkleber des Pilgerweges suchte, kam unverhoffte Hilfe von einem Hundebesitzer. Der hatte zwar auch keine Aufkleber gesehen, wusste aber immerhin, wie ich auf die Hammerhöhe kam.
Der eigentliche Wegeverlauf geht vermutlich an der Kreisstraße entlang, ich nahm aber einen kleinen Umweg und damit auch wieder Teile des Fachwerkweges Freudenberg.

Gedenktafel zur Hexenverbrennung bei Friesenhagen

Zurück im Wald, ging es zuerst bergab und anschließend wieder bergauf an der Kapelle zur schmerzenden Mutter vorbei zur Kapelle St. Anna, von wo man einen schönen Blick über das Wildenburger Land hat. Der Berg diente im 17. Jahrhundert der Hexenverbrennung, woran ein hölzernes Schild erinnert.
Anschließend läuft man wieder bergab nach Friesenhagen und quert den Ort, ehe man in den Wald und auf den Kreuzigungsweg »Die sieben Fußfälle« zurückkehrt. Wer mag, kann sich vor den Steinkreuzen zu Boden werfen – ich ging mit schmerzenden Füßen daran vorbei, denn ich wäre vermutlich nicht mehr aufgestanden, wenn ich dort gelegen hätte.
Kurz darauf geht es mitten ins Gebüsch und auf einen schmalen Pfad entlang des Crottorfer Wasserschlosses, das man von dort aber leider nicht sehen kann.
Nach wenigen Minuten überquert man einen kleinen Bach und läuft auf einer Wiese direkt am Schloss entlang (von dem man aber immer noch nicht viel sieht). Wenn man noch ein paar Meter an der Kreisstraße entlanggeht, erreicht man das Tor des Crottorfer Schlosses und damit den Endpunkt der vierten Etappe des Pilgerweges von Marburg nach Köln.

Schlösserweg und Elisabethpfad

Blick von roter Kapelle ins Wildenburger Land

Der Pilgerweg entlang der alten Brüderstraße ist in diesem Abschnitt identisch mit dem Schlösserweg von Dillenburg nach Düsseldorf, weshalb man sich immer an der Markierung X19 orientieren kann – und teilweise auch sollte.
Ich habe mich für die Richtung Siegen → Crottorfer Schloss und damit den Pilgerweg entschieden, in umgekehrter Richtung folgt man dem Elisabethpfad, der aber deutlich schlechter ausgeschildert ist (manchmal mit roten Aufklebern, meist aber mit gelben Pfeilen).

Ich wünsche allen Wanderern und Pilgern eine gute Reise und eine schöne Zeit in der Region Siegen-Wittgenstein!

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Lesungen – auch bei euch zu Hause!

Wohnzimmerlesungen

Lesungen machen mir furchtbar viel Spaß und ich freue mich bei jeder neuen Veröffentlichung darauf. Es ist einfach schön, mit den Leserinnen und Lesern in Kontakt zu kommen und über die Bücher und ihre Entstehungsgeschichte zu plaudern.
Das geht natürlich nicht nur in Kombination mit Buchhändlern und offiziellen Veranstaltern, sondern auch im kleineren Rahmen für Privatleute, also euch!
Das Ganze nennt sich Wohnzimmerlesung, kann aber natürlich auch in der Küche oder der Schrebergartenhütte stattfinden.

Ab sofort könnt ihr mich auch im kleinen und privaten Rahmen für Lesungen engagieren:
für Geburtstage, Jubiläen oder Hochzeiten, als Geschenk, für euch und eure krimibegeisterten Freunde – in eurem Wohnzimmer, im Garten, auf der Terrasse, auf dem Hausboot, …

Ihr braucht einfach nur Platz für eure Gäste (und natürlich die Gäste), und ich komme dann mit Büchern, meinem Signierkuli und frisch geölter Stimme zu euch.
Für Privatpersonen gibt es einen Sonderpreis, ihr könnt mich aber natürlich auch als Veranstalter buchen.
Ich freue mich jedenfalls auf viele neue Lesungsorte – meldet euch einfach über das Kontaktformular!
 
Foto: Gemeindebücherei Neunkirchen/Siegerland
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Gastautorin im Tolino Media-Blog

Hier blieb es in der letzten Zeit etwas ruhig – dafür habe ich aber für den Tolino Media-Blog einen Gastbeitrag geschrieben:

Ja zum Nischenthema!

Du bist allein im Wald, die Bäume stehen immer dichter, je weiter du gehst. Das Unterholz unter deinen Füßen raschelt, dünne Äste kratzen durch dein Gesicht. Doch das bemerkst du nur am Rande, denn du bis auf einer Mission: dein erster Geocache.
Weiterlesen …

Ich erzähle bei Tolino Media von der grundlegenden Idee, ein paar Knochen in ein Geocaching-Versteck zu legen, und davon, wie mich die Idee der Knochenfinder später in ein Künstlerdorf im Münsterland gebracht haben.

In der kommenden Woche zieht es mich mal wieder ins Siegener Umland, genauer gesagt: auf den Elisabethpfad. Aber davon erzähle ich euch später!

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Knochenfinder – Taschenbuch am 08.06.18

Der Countdown läuft – in drei Tagen ist es soweit!

Die vollständig überarbeitete Neuauflage von „Knochenfinder“ erscheint als Taschenbuch.
Ihr könnt das Buch natürlich auch jetzt schon in eurer Lieblingsbuchhandlung vorbestellen:
ISBN: 978-396111452

Bis bald im Wald!

 

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Willkommen auf der neuen Seite!

Herzlich willkommen auf meiner neuen Siegerland-Krimis-Seite!

Seit April habe ich mich hinter den Kulissen intensiv mit der DSGVO auseinandergesetzt und schnell beschlossen, dass das der Startschuss für den längst überfälligen Umzug meines alten Blogs auf ein neues System sein soll.
Nun ja, ganz so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, war es nicht.
Und weil ich auch an anderen Stellen noch mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, war ich manches Mal wirklich verzweifelt. Aber wie sagt man so schön? Wat mutt, dat mutt.
Trotzdem habe ich es tatsächlich einigermaßen pünktlich geschafft, den neuen Blog mit dem viel handlicheren Titel „Siegerland-Krimis“ aus der Taufe zu heben – und das andere technische Problem konnte ich auch noch zufriedenstellend lösen.

Neue Facebook-Gruppe

Die Beiträge aus dem alten Blog werde ich nach und nach auf diese Seite verlinken, sodass ich ihn erst ausdünne und in absehbarer Zeit ganz aus dem Netz nehmen werde. Aber das macht nichts, denn die Musik spielt ja jetzt hier. Und ich freue mich, wenn ihr weiterhin so zahlreich mitlest.
Außerdem habe ich heute ganz neu eine Facebook-Gruppe Siegerland-Krimis gegründet, die wir hoffentlich bald mit viel Leben füllen werden.
Ich freue mich auf euch!
Zur Facebook-Gruppe

Und jetzt spendiere ich erst mal einen Drink für alle Umzugshelfer und einen Willkommensschluck für alle Besucher.

Nehmt euch, schaut euch um, fühlt euch wie zu Hause!

 

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Die Wisent-Wildnis in Wittgenstein

Wisente in Wittgenstein

Weil ich letzte Woche einen Beigtrag über Fünf Jahre Wisent-Wildnis in Wittgenstein schrieb, musste ich natürlich umgehend zur Wisent-Wildnis bei Bad Berleburg fahren.

Wisent in Wisent-Welt

Das Gelände der Wisent-Wildnis liegt auf 590 m Höhe zwischen den Orten Bad Berleburg-Wingeshausen und Schmallenberg-Jagdhaus. Schon von Weitem erkennt man die zwei riesigen Metall-Wisente im Eingangs-Bereich, kann das Gelände also kaum verfehlen.
Wenn man Glück hat, kann man sogar schon vom Parkplatz aus einen Blick auf die Wisente werfen.

Wer aber die Möglichkeit haben möchte, den imposanten Vierbeinern Aug‘ in Aug‘ gegenüberzustehen, nimmt lieber den etwa 3 km langen Weg durch das Gehege. Der Eintritt ist moderat; 5,50 € für Erwachsene (ab 1,50 m Körpergröße) und 3,50 € für Kinder (unter 1,50 m Körpergröße), Kinder unter 1 m sind sogar kostenlos. Der Weg selbst ist eher anspruchsvoll und für Kinderwagen nicht geeignet, man kann aber am Eingang Kindertragen leihen.

Dachsbau Wisent-WeltDie Wisent-Herde

besteht aktuell aus acht Tieren (fünf Bullen und drei Kühe) und befindet sich auf einem eingezäunten Areal. Die Landschaft ist fürs Rothaargebirge typisch, man wandert auf Waldwegen zwischen Fichten, trifft auf einen riesigen Windbruch (ich tippe auf Kyrill 2007), wandert bergauf und bergab und sollte trittfest sein. Wanderschuhe werden empfohlen.

Wir hatten das Glück, die Wisente ziemlich schnell zu entdecken. Während der Mittagssonne lagen sie im Schatten am Waldrand, rupften ab und zu ein paar Stängel Gras und legten sich zum wiederkäuen nieder. Neben dem Weg lagen geschälte Baumstämme, auf denen man sich niederlassen und die Wisente mit Kamera oder Fernglas beobachten konnte.

 

Ruhende Wisente

Der Rundweg ist sehr abwechslungsreich, und immer wieder gibt es tolle Einblicke in das Wisent-Areal und über die Wipfel des Rothaargebirges. Am Ende des Weges warten die typischen geschwungenen Rothaarsteig-Waldsofas als Schaukeln auf die Wanderer und bieten die Möglichkeit, gemütlich schaukelnd die Wisente zu beobachten.

Wisent ganz nah

Grasende Wisente

Bei dieser Gelegenheit entdeckten wir, dass die Wisente mittlerweile ihren Ruheplatz im Schatten aufgegeben und sich näher an die Zäune begeben haben. Also gingen wir an unseren ersten Aussichtspunkt zurück, und tatsächlich kam ein Wisent ganz dicht an den Zaun. Besonders auffällig ist das laute Schnauben, ansonsten bewegen sich die Tiere trotz ihres massigen Körpers sehr ruhig. Kurz darauf kam noch ein zweites Wisent zu uns, und wäre nicht der Elektrozaun auf ihrer Seite gewesen, dann hätten sie vermutlich noch ihre Zungen durch den Zaun gesteckt. Die zottigen Säugetiere sind zwar groß und mächtig, wirken aber mit ihren dunklen Augen sehr sanft. Trotzdem war ich beruhigt zu wissen, dass es sich bei den Wisenten um Vegetarier handelt, die sich in der Regel von Gras ernähren.

Wisent am Zaun Wisent-Welt

Nach und nach kamen alle acht Wisente dicht an den Zaun und trotteten dann gemütlich über die für sie erstellte, „Dachsbau“ genannte Naturbrücke. So konnte ich mehrere Fotos und Videos machen und habe mich mal wieder geärgert, keine gute Kamera zu haben. So muss ich eben mit den Handy-Fotos Vorlieb nehmen.
Die Tiere ließen sich von den menschlichen Beobachtern überhaupt nicht beeindrucken und stampften schnaubend und grasend zwischen den Fichtenstümpfen umher, die an den großen Sturm Kyrill vom Januar 2007 erinnern.

Die Wisent-Wildnis

ist ein Erlebnis für die ganze Familir und bewegungsintensive Kinder kommen auf ihre Kosten. Die Wahrscheinlichkeit, die Wisente zu entdecken, ist sehr hoch, und am Ende kann man sich noch gemütlich in der Wisent-Hütte niederlassen. Außerhalb des Bezahlgeländes befindet sich ein toller Kinderspielplatz mit riesiger Wasserbaustelle und vielen Kletter- und Balancier-Möglichkeiten. Alles ist naturbelassen, und sogar Gummistiefel in unterschiedlichen Größen gibt es zum kostenlosen Verleih.

Fazit:
Der Tag in der Wisent-Wildnis war wie ein Tag Urlaub, und ich komme gerne wieder!

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Fünf Jahre Wisent-Wildnis in Wittgenstein

Wisent-Wildnis

Heute vor fünf Jahren, am 11. April 2013, startete ein ganz besonderes Artenschutzprojekt: die „Wisent-Wildnis“ in Wittgenstein.
Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit wurden insgesamt acht Wisente (Europäischer Bison) in den Wäldern rund um Bad Berleburg im Rothaargebirge ausgewildert.

Das 20 Hektar große umzäunte Auswilderungsgehege wurde zu einem Schaugehege ausgebaut, in dem eine aktuell aus acht Tieren bestehende Herde lebt. Die Wittgensteiner Wisent-Wildnis zieht jährlich mehr als 30.000 Besucher an und wird von der Wisent-Welt Wittgenstein e.V. betrieben.

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Wisente in Europa

1921 starb in Polen der letzte freilebende Wisent in Europa, 1922 waren alle freien Wildbestände erloschen, in Gefangenschaft lebten nur noch 56 reinblütige Wisente. Deutsche und polnische Zoologen taten sich zusammen, um den Wisent in Europa vor dem Aussterben zu bewahren. Daraus entstand 1928 das Wisentprojekt im Saupark Springe (südlich von Hannover). Anfangs nur als Gehege für die Wisente gedacht, trieb die Parkleitung ab den 1950er Jahren den Umbau zu einem Wildgehege für Besucher voran.

Ursprünglich gab es zwei Wisent-Unterarten: den Bergwisent und den Flachland-Wisent.
1927 hat man im Kaukasus der letzte Bergwisent erschossen, womit die Bergwisente endgültig ausstarben. Die heute lebenden Wisente sind entweder „Mischformen“ aus Berg- und Flachland-Wisent oder reine Flachland-Wisente.
In der Zucht unterscheidet man heute zwischen reinerbigen Flachland-Wisenten, einer Kreuzung aus Flachland- und Bergwisenten (Flachland-Kaukasus-Linie) und einer Kreuzung aus Flachland- und Bergwisenten mit amerikanischen Bisons (Hochland-Linie).

Die im Rothaargebirge lebenden Wisente gehören der Flachland-Kaukasus-Linie an.

Auswilderungen

1952 wurden im Gebiet des heutigen Bialowieza-Nationalparks an der polnisch-weißrussischen Grenze erstmals wieder Wisente ausgewildert. Im Jahr 2004 lebten dort 1955 Wisente in 31 Populationen und machten etwa 60% der Weltpopulation aus.

Bereits in den 1940er Jahren siedelte man eine Hybridlinie im Kaukasus an, die eine Zeitlang mit 1400 Tieren die weltgrößte Population darstellte. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verringerte sich auch der Wisentbestand auf 240 Tiere, doch die Population wächst wieder deutlich an.

1998 hat man Wisente in der Sperrzone von Tschernobyl ausgewildert, wo sie sich nun langsam vermehren. Weitere Auswilderungen gab es 2004 in der Slowakei, 2012 in Rumänien und 2013 wurden mit den Wittgensteiner Wisenten die vorerst letzten Tiere ausgewildert (Wikipedia).

2014 schätzte man den Weltbestand an Wisenten auf 5.200 Tiere, von denen etwa zwei Drittel in freier Wildbahn oder in Großreservaten leben. Im Jahr 2009 gab es weltweit etwa 4.000 Wisente (Wikipedia).

In Brandenburg, im Schweizer Jura, in den Niederlanden, Dänemark und in Frankreich diskutieren Naturschützer und Zoologen Auswilderungen und bereiten sie teilweise bereits vor.

Wisent in Mecklenburg-Vorpommern

Die Wisent-Wildnis in Wittgenstein

Die Wittgensteiner Wisente lebten ab 2010 in einem 20 Hektar großen Auswilderungsgehege, bevor sie dann am 11. April 2013 endgültig in Freiheit entlassen wurden. Mehrere Hochschulen begleiten das Projekt wissenschaftlich.

Die Wisentgruppe bestand aus Wisentbulle Egnar, fünf Wisentkühen und zwei Jungtieren.
Im Mai und Juni 2013 kamen im Rothaargebirge die ersten frei lebenden Wisentkälber seit mehreren hundert Jahren zur Welt.
Durch weitere Geburten – aber auch Abgänge – leben derzeit 17 Tiere in den Wäldern des Rothaargebirges. Sie sind nach wie vor die einzige Wisent-Population Deutschlands, die in freier Wildbahn lebt.

Aufgrund des riesigen Areals ist es sehr unwahrscheinlich, die Tiere bei Wanderungen oder Spaziergängen anzutreffen.
Das ehemalige Auswilderungsgehege ist mittlerweile Schaugehege für eine aus acht Tieren bestehende Population, die man mit ein wenig Glück auch beobachten und fotografieren kann und die jährlich mehr als 30.000 Menschen ins Rothaargebirge lockt.

Konflikte

Wisente sind die größten und schwersten Landsäugetiere Europas.
Ausgewachsene, freilebende Bullen bringen bis zu 500 kg auf die Waage, Wisentkühe etwa 400 kg. Die Kopf-Rumpf-Länge eines Wisentbullen kann bis zu drei Metern betragen, die Widerristhöhe etwa 1,80 Meter.
Es ist klar, dass diese imposanten Tiere – vor allem als Herde – Spuren in den Wäldern hinterlassen.
Vor allem Schälschäden brachten einige Waldbauern gegen die wilden Tiere auf.
Schon mehrmals mussten sich Gerichte mit den Wisenten beschäftigen, weshalb das Wisent-Projekt immer wieder auf der Kippe steht.
Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2018 wird vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die juristischen Auseinandersetzungen zwischen den privaten Waldbauern und dem Wisent-Verein als Träger entschieden.
Im Grunde geht es um die Frage, ob die Wisentgruppe als „herrenlos“ eingestuft wird und die Schäden deshalb von den Waldbauern hingenommen werden müssen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf der Seite der Wisent-Welt umschauen und sein Glück im Schaugehege in Bad Berleburg versuchen.
Im vergangenen Winter wurde ein sehr sehenswertes Video veröffentlicht, in dem die frei lebende Herde eine verschneite Straße im Rothaargebirge überquert: Wisente in Südwestfalen.

Nachtrag Ende Mai 2018:
Aktuell scheint sogar der Abschuss der Wisente aus Sicht der Kläger denkbar: Waldbauern sehen Abschuss der Wisente als letztes Mittel in der Westfalenpost.

Beeindruckend, oder?

Wisent-Familie

Die Bilder sind von @pixabay und zeigen unter anderem Wisente in Mecklenburg-Vorpommern

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Autoren unter Druck III

.Ist Selfpublishing die Lösung?

Ich bin überwältigt von der Resonanz meiner beiden Artikel über Autoren unter Druck – vielen Dank für die vielen Rückmeldungen und Reaktionen im Netz und persönlich!

Offensichtlich habe ich ein wichtiges Thema angesprochen, über das möglicherweise oft nur hinter verschlossenen Türen geredet oder sogar geschwiegen wird. Und die Rückmeldungen zeigen mir, wie viele Autorinnen und Autoren unter der derzeitigen Situation leiden. Immer wieder lese ich von Kolleginnen, die längst, auch von mir unbemerkt, aufgehört haben. Und das, obwohl sie so gern schreiben und teilweise ihren Lebensunterhalt damit verdient haben – aber ihre Gesundheit und ihre Psyche haben darunter gelitten.

Teil 1 und Teil 2

In Autoren unter Druck I geht es um öffentliche Kritik und die prekäre Finanzsituation von Autoren, Autoren unter Druck II beschäftigt sich mit der harten Situation von Verlagsautoren. Längst nicht jedes Buch, das in einem großen Verlag erscheint, findet sich am Ende auch in der Buchhandlung. Auf dem Weg vom Manuskript auf dem Computer bis hin zum Taschenbuch in der Buchhandlung liegen unfassbar viele Stolpersteine, von denen viele unsichtbar sind und auch rückblickend nicht einmal identifiziert werden können.

Wofür also all die Mühe, wenn das Buch am Ende doch nicht bei den Leserinnen ankommt?
Und wenn man sowieso Werbung, Werbematerial und Lesungsakquise selbst machen muss, kann man doch direkt alles selbst machen und ins Selfpublishing gehen, oder?

Die Antwort hierauf ist genauso klar wie uneindeutig: jein.
Auch Selfpublishing ist kein Zuckerschlecken, der Druck ist nicht weniger stark und auch hier sind Enttäuschungen und Selbstzweifel vorprogrammiert. Trotzdem kann es einen Ausweg aus der Misere aufzeigen und vor allem auch für die Psychohygiene sehr gesund sein. Aber dazu hole ich ein wenig aus.

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Die Dilettanten

In vielen Kreisen herrscht immer noch das Vorurteil, Selfpublisher wären von Verlagen abgelehnte Verzweiflungstäter. Schreiberlinge (ich hasse dieses Wort!), die nichts können und deshalb aus purer Not ihre Geschichten selbst herausbringen.
Die gibt es zweifelsohne, da muss man sich auch nichts vormachen. Und noch vor zehn Jahren war das vermutlich auch in den allermeisten Fällen so.

Aber Amazon hat mit dem Kindle und der Plattform KDP (Kinde Direct Publishing) das Selfpublishing nicht nur revolutioniert, sondern in seiner heutigen Form überhaupt erst möglich gemacht. Ich werde jetzt gewiss keine Lobgesänge auf Amazon anstimmen, aber das ist ein Fakt, den man anerkennen muss. Mag sein, dass in der allerersten Zeit hauptsächlich von Verlagen abgelehnte Geschichten veröffentlicht wurden. Aber das liegt nicht zwingend an der Qualität der Texte, wie insbesondere in Teil zwei deutlich wurde.

Neue Märkte

Im Laufe der Monate und Jahre wurde das Selfpublishing immer bekannter und immer einfacher. Mittlerweile hat sich ein riesiger Markt von Dienstleistungen rund ums Selfpublishing gebildet: Coverdesignerinnen, Lektorinnen, Korrektorinnen, Werbeplattformen, Werbestrategen, Coaches und natürlich Distributoren, die dabei helfen, die E-Books (denn der Selfpublishingmarkt ist hauptsächlich ein E-Book-Markt) bei den verschiedenen Anbietern einzustellen und sich um die Administration zu kümmern.

Ein großer Teil der Titel, die mittlerweile im Selfpublishing erscheinen, waren nie für einen Verlag vorgesehen. Und so wie es unter den Verlagsautoren immer noch welche gibt, die auf Selfpublisher herab sehen, so gibt es unter den Selfpublishern nicht wenige, die für Verlagsautoren nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben.

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Freiheiten und Abhängigkeiten

Im Selfpublishing habe ich maximale Freiheit.
Ich kann veröffentlichen, was ich will und wann ich will. Ich muss mich nicht an Verlagsprogramme halten, ich kann aktuelle Trends bedienen, ich kann mir Pseudonyme zulegen, ich kann alle möglichen Genres ausprobieren, ich kann einem Titel, der nicht gut läuft, ein neues Cover oder einen neuen Titel verpassen, ich kann E-Book-onlys veröffentlichen, ich kann Taschenbücher und Hardcover veröffentlichen, ich kann Werbestrategien genau auf mich oder auf meine Zielgruppe anpassen, ich kann mit Ideen spielen, ohne mit jemandem Rücksprache halten zu müssen, ich behalte komplett die Rechte an meinen Texten und kann sie so oft verwenden, wie ich möchte etc.

Klingt super, oder?
Leider ist es dann doch nicht so einfach.

Qualität

Wenn ich im Selfpublishing ernsthaft Geld verdienen möchte, und zwar langfristig, muss ich den Leserinnen und Lesern Qualität bieten. Das bezieht sich nicht nur auf den Text, sondern auch auf das Äußere. Neben einem ordentlichen und professionellen Cover brauche ich auch einen vernünftigen Buchsatz und natürlich einen Text, der so wenig Fehler wie nur irgend möglich aufweist und außerdem handwerklich gut gemacht ist. Die wenigsten Autorinnen schaffen das alleine, deshalb muss man entsprechende Dienstleistungen hinzukaufen. In der Regel schon im Vorfeld, man muss also erst mal mehr oder weniger viel Geld in die Hand nehmen, bevor man seine Geschichte überhaupt veröffentlichen kann. Nach der Veröffentlichung kommen dann noch Werbekosten in unterschiedlicher Höhe dazu – für Facebook-Werbung, für professionelles Design der Werbematerialien (offline wie online), für die Listung in Newslettern und vieles mehr. Da kommen schnell drei- oder sogar vierstellige Summen zusammen.

Ja, ich sehe schon die aufgerissenen Augen.

Viele der heute sehr erfolgreichen Selfpublisher sind von Anfang an dabei. Sie haben sich im Laufe der Jahre eine große Fangemeinde erarbeitet, haben regelmäßig Geschichten veröffentlicht und das Selfpublishing in Deutschland mitgestaltet. Doch auch für diese Autoren wird es zunehmend schwieriger, sich auf dem enger werdenden Markt zu behaupten.

Wie alles begann

2011 kam der erste Kindle auf den deutschen Markt, und während sich in der Anfangszeit ein paar hundert Autorinnen um die Leserinnen bemühten, so sind es mittlerweile mehrere Tausend. Wie viele genau, lässt sich aufgrund der vielen Pseudonyme nicht so einfach herausfinden.

Und der Markt wächst und wächst und wächst. Im Vergleich zur Anfangszeit sind natürlich auch die Leserzahlen deutlich gestiegen, aber weniger stark als die Anzahl der Autoren. Meine ganz persönliche Einschätzung geht dahin, dass die Jahre 2014-2016 die Blütezeit im Selfpublishing waren und dass es seitdem kontinuierlich bergab geht. Bergab in dem Sinne, dass der Wettbewerb immer härter wird und dass man immer mehr Geld und Zeit investieren muss, um vergleichbare Verkäufe zu erzielen wie noch vor zwei oder drei Jahren. Das berichten auch viele Selfpublisher, die schon seit einigen Jahren dabei sind.

Genreliteratur

Andererseits gibt es immer wieder Autorinnen und Autoren, die auch heute noch Fuß fassen und Leserinnen und Leser für sich gewinnen können. Betrachtet man allerdings die Kindlecharts bei Amazon, wo ja der größte Absatz stattfindet, so werden sie maßgeblich von drei Genres dominiert: heitere Liebesromane, Liebesromane mit erotischen Anteilen (Romances) und Krimis/Thriller. Historische Romane, Fantasy und Science-Fiction, um weitere wichtige Genres zu nennen, kommen deutlich seltener vor, und Sachbücher oder Ratgeber von Selfpublishern erreichen äußerst selten die Top 100.

Hier deutet sich schon langsam an, dass man sich im Selfpublishing inhaltlich zwar völlig frei bewegen kann, dabei aber gleichzeitig Gefahr läuft, diese inhaltliche Freiheit mit barem Geld bezahlen zu müssen.

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Veröffentlichungsdruck

Immer wieder lese ich, insbesondere von Verlagsautoren, dass Selfpublisher alle 2-3 Monate ein neues Buch veröffentlichen müssten.
Es ist fraglos richtig, dass im Selfpublishing die Buchhändler als Multiplikatoren fehlen. Mit einer guten Platzierung im Vorschaukatalog kann man sich als Autor wieder in Erinnerung rufen und darauf hoffen, dass die Buchhändler das eigene Buch ordern und als Stapelware im Laden auslegen. Allerdings ist man hier wieder auf die Präsentation des Verlages angewiesen und auch auf die Zeit und den Willen der Buchhändler, sich intensiv mit den vielen Verlagsvorschauen zu beschäftigen.

Im Selfpublishing muss ich mich bei den Leserinnen direkt in Erinnerung rufen, und das geht natürlich am besten und einfachsten durch regelmäßige Veröffentlichungen. Ich muss für die Zielgruppe sichtbar bleiben, und das muss ich irgendwie selbst bewerkstelligen. Allzu große Veröffentlichungsabstände sind da natürlich schlecht.

Zeitmanagement

Andererseits ist es im Selfpublishing auch leichter möglich, in kurzen Abständen zu veröffentlichen. Die vielen und teilweise sehr langen Wartezeiten aus dem Verlagsgeschäft fallen komplett weg. Da ich Lektorat und Korrektorat als Dienstleistung einkaufe, sind wir Geschäftspartner und gehen einen Vertrag miteinander ein. Wer sich da mehrere Wochen lang nicht meldet und dann umgekehrt im Eiltempo irgendetwas von mir erwartet, wird keine Aufträge mehr bekommen. Von niemandem.
Im Verlagswesen hingegen ist so etwas üblich. Das hat natürlich mit der Überlastung der Verlagslektoren und ihren vielfältigen Aufgaben zu tun, ist aber aus Autorensicht eine Zumutung.

Wenn ich ein Projekt an den Verlag schicke und erst nach drei oder vier Wochen erfahre, ob er überhaupt daran interessiert ist, geht wahnsinnig viel kostbare Zeit verloren. In der Zwischenzeit kann man zwar andere Projekte planen, man könnte diese Zeit aber auch mit sinnvoller Recherche oder ersten Entwürfen verbringen. Wenn man aber nicht weiß, ob der Verlag das Projekt in der vorliegenden Form kaufen möchte oder ob er Änderungswünsche hat, ist effektive Zeiteinteilung schwierig. Man hängt also sehr oft in der Luft – und diese leere Zeit gibt es im Selfpublishing bei vernünftiger Planung nicht, was natürlich die Veröffentlichungsfrequenz deutlich verkürzt.

Es ist durchaus möglich, sich mit etwas größeren Veröffentlichungszeiträumen über Wasser zu halten – aber eine Wartezeit von zwei oder mehr Jahren ist auch im Verlagsgeschäft nicht förderlich. Aber da rollt dann eben im Zweifelsfalle der Autoren-Kopf, während es mir im Selfpublishing immerhin möglich ist, einen Namen aufzubauen.

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Die Abhängigkeit von Amazon

Wie weiter oben erwähnt, hat Amazon das derzeitige Selfpublishing überhaupt erst möglich gemacht. Und weil es nach wie vor so verdammt einfach ist, bei Amazon ein E-Book zu veröffentlichen, ist es für die Meisten auch der erste Weg. Ein ganz großer Teil der E-Books von Selfpublishern wird ausschließlich bei Amazon veröffentlicht. Und das ist ein Problem.

Die beiden gängigsten E-Book-Formate sind Mobi und ePub. E-Books im ePub-Format können auf allen möglichen Readern gelesen werden – außer dem Kindle. Auf dem Kindle hingegen laufen nur Mobi-Dateien. Und Mobi-Dateien wiederum laufen nur auf dem Kindle und nicht auf den anderen Readern. Es existierten quasi zwei E-Book-Märkte nebeneinander: Amazon-Kindle und die anderen.

Tolino als Alternative

Amazon hat als Vorreiter den Weg geebnet und nach seinen Vorstellungen gestaltet. Es hat insgesamt vier (!!) Jahre gedauert, bis es in Deutschland eine ernsthafte Alternative zu Amazon gab. Seit 2015 ist die Tolino-Allianz am Markt. Verschiedene andere Projekte sind im Sande verlaufen oder beinahe bis zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft. Zur Tolino-Allianz gehören die Buchhandelsketten Thalia, Hugendubel und Weltbild, aber auch verschiedene kleinere Anbieter. Das klingt gut, das klingt nach einem großen Markt und nach Buchhandel. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Wo Amazon mit seinem allmächtigen Algorithmus die Selfpublisher (und noch viel stärker die eigenen Verlagsprodukte) nach oben spült, werden die Selfpublisher bei Thalia und Co. eher stiefmütterlich behandelt, weshalb die Selfpublisher-Titel nur in den seltensten Fällen in den allgemeinen Charts nach oben und damit auch in den sichtbaren Bereich kommen. Dafür muss man noch nicht einmal besonders viel tricksen, denn ein Ungleichgewicht entsteht schon dadurch, dass Amazon verkaufte Stückzahlen gewichtet, Tolino hingegen den Verkaufspreis und damit den Erlös zur Rangfolge heranzieht (so einfach wird es vermutlich nicht sein, aber das spielt ganz sicher eine Rolle).
Das schlägt sich natürlich auch in den Verkäufen und damit im Einkommen nieder.

KDP Select

Außerdem hat Amazon mit der KindleUnlimited-Flatrate ein verdammt starkes Argument in der Hand, denn für manche Autoren sind die Zahlungen und AllStar-Boni aus dieser Flatrate ein echter Goldesel.

Die meisten Selfpublisher, die bei Amazon veröffentlichen, nehmen am KDP Select-Programm teil. Damit stellen sie ihre E-Books der KindleUnlimited-Flatrate (KU) zur Verfügung. Für jede Seite, die bei KU gelesen wird, erhält die Autorin etwa 0,3 Cent Vergütung (der Betrag ändert sich monatlich, bleibt aber in etwa bei dieser Größenordnung). Das klingt nach ziemlich wenig, rechnet sich aber. So erhält man für 10.000 gelesene Seiten etwa 30 €. Und in einem beliebten Genre und mit einem neuen Buch kommt man sehr leicht darüber, auch 500.000 gelesene Seiten sind ohne Weiteres zu erreichen . Hinzu kommt, dass Amazon für die 100 bzw. 150 Autoren mit den meistgelesenen Seiten noch zusätzliche Boni ausschüttet. Der niedrigste Bonus beträgt 500 €, der höchste beträgt 7.500 €, und dieser Betrag kommt noch zu den Beträgen aus den gelesenen Seiten und den Verkäufen dazu. Allerdings liegt die Anzahl der gelesenen Seiten für den höchsten Bonus mittlerweile bei über drei Millionen gelesenen Seiten. Da ist man also schon im fünfstelligen Euro-Bereich – pro Monat!

Genres und Sichtbarkeit

In manchen Genres machen die Verkäufe nur etwa die Hälfte des Einkommens aus, in anderen nur ein Drittel, in manchen Genres spielt KU nur eine unbedeutende Rolle. Außerdem wird jede Leihe für das Amazon-Ranking wie ein Kauf gewertet. Viele Leihen bedeuten also hohe KU-Zahlungen und eine bessere Platzierung im Ranking. Diese wiederum bringt eine erhöhte Sichtbarkeit mit sich (Sichtbarkeit ist übrigens die Währung schlechthin!) und damit wiederum mehr Verkäufe, mehr Leihen und mehr gelesene Seiten. Ein Teufelskreis, den natürlich alle durchbrechen wollen.

Mit der Teilnahme an KDP Select bindet man sich für drei Monate exklusiv an Amazon, darf also nirgends anders veröffentlichen.
Autoren, die nicht an KDP Select teilnehmen, können ihre E-Books auf allen anderen Portalen anbieten, ihnen entgehen allerdings auch die vielen Vorteile, die man fraglos durch KU hat – und da geht es teilweise um richtig viel Geld. Amazon ist nach wie vor der größte Absatzmarkt für E-Books, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Dafür haben unter anderem wir Selfpublisher gesorgt.
Denn machen wir uns nichts vor: Amazon tritt hier nicht als Wohltäter auf, sondern als gewinnorientiertes Unternehmen. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Menschen vom Schreiben leben lassen zu können, sondern die eigene Marktmacht zu stärken und auszubauen. Dafür brauchen sie den Kindle, und die Selfpublisher sind dabei Mittel zum Zweck.

Der Algorithmus

Amazons allmächtiger Algorithmus sorgt dafür, dass neue Bücher eine andere Gewichtung bekommen als alte Bücher (aber das ist nur ein Faktor von unendlich vielen. Niemand weiß, was Amazon da in welcher Form berechnet).
Ein E-Book, das erst nach drei Wochen richtig in die Gänge kommt, hat es schwerer als eines, das schon nach drei Tagen gut läuft. Ich habe manchmal das Gefühl, der Algorithmus kennt nur zwei Möglichkeiten: Entweder läuft er für mich, oder er läuft gegen mich. Und das ist ein unglaublich großer Stressfaktor und führt zu viel Frust.

Ein Buch in der Buchhandlung hat ebenfalls nur eine kurze Bewährungsfrist, oft nur 6-8 Wochen (oder weniger). Trotzdem sind hier noch „Spätzünder“ möglich, weil das Buch bei der Zielgruppe gut ankommt oder weil das Graswurzelmarketing greift. Und manchen Büchern gelingt es auch über die Zeit, zu Longsellern zu werden oder gar zu späten Bestsellern. Das ist ungleich schwieriger, wenn eine simple Rechenoperation die Bücher nach unten drückt.

Der sicherste Weg, ein altes Buch wiederzuerwecken, ist ein neues Buch. Da unterscheiden sich Selfpublishing und Verlagswesen kaum. Allerdings fungieren die Buchhändler als Multiplikatoren für die Leser, während man im Selfpublishing der eigene Multiplikator sein muss. Es muss einem gelingen, die Leserinnen und Leser an sich zu binden, und zwar noch stärker als im Verlagsgeschäft.

Amazon hat seinen Markt in der Hand

Amazon hat die Macht, mit einem Fingerschnippen (oder vielmehr: einem Mausklick) den gesamten Markt durcheinander zu wirbeln. Immer wieder gibt es unangekündigte Innovationen, wie zum Beispiel Prime-Reading oder die mittlerweile riesige Flut an Kindle-Deals. Waren diese beworbenen Preisaktionen früher noch eine gute Möglichkeit, auch ältere Bücher wieder ein bisschen ins Rampenlicht zu rücken, werden mittlerweile kaum noch Selfpublisher zu Kindle-Deals eingeladen.
Und sollte sich Amazon eines Tages entscheiden, die AllStar-Boni zu streichen und das dadurch frei gewordene Geld auf die Auszahlungsquoten für die gelesenen Seiten umzulegen, wird sich mit einem Schlag ganz viel ändern. Dann sind 0,99 €-Preise keine Eintrittskarten mehr zu den Bonuszahlungen und dann lohnt es sich wieder, längere Bücher zu schreiben. Außerdem müssten viele Autoren ihre bisherigen Strategien ändern.

Ich würde das begrüßen und bin gespannt, ob Amazon das Konzept ändern wird – und wenn ja, wann. In fast allen anderen Ländern mit KDP-Select gibt es keine Bonuszahlungen, sondern höhere Erträge pro gelesener Seite.

Zu Amazon gäbe es noch sehr viel mehr zu sagen, zum Beispiel zum Umgang mit Betrügern. Im KU-Universum tummeln sich auch windige Geschäftemacher. Manchmal sind es nur Indizien, die einen Betrugsverdacht aufkommen lassen, manchmal ist es sehr offensichtlich, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Ich möchte das nicht weiter vertiefen, denn das ist schon einen eigenen Beitrag wert. Jedenfalls tut Amazon so gut wie nichts dagegen, was sehr frustrierend für alle ehrlichen und normalen Selfpublisher ist. Immerhin geht es da um viel Geld.

Man sieht also, dass die scheinbare Freiheit im Selfpublishing im Grunde auch eine Unfreiheit ist.

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Verlagsautoren und Selfpublishing

Es gibt viele Gründe, warum Verlagsautoren auch oder nur noch Selfpublishing machen. In meinen beiden vorigen Beiträgen habe ich ja ausreichend Gründe genannt, warum sich immer mehr Verlagsautoren für diesen Weg entscheiden.
Man hat einerseits den Vorteil einer bestehenden Leserschaft, die einem hoffentlich auch weiterhin folgt. Andererseits kann dieser Weg für Außenstehende auch als „Abstieg“ wahrgenommen werden. Auch wenn insbesondere die Vielleser und internetaffinen Leser die Welt der Selfpublisher für sich entdeckt haben, ist es für viele andere (Leserinnen wie Autorinnen) immer noch eine Art Ritterschlag und Qualitätsmerkmal, in einem Verlag, noch dazu in einem großen, zu veröffentlichen. Da muss einfach jeder für sich persönlich abwägen, welcher Punkt welchen Stellenwert hat.

Backlist

Auch für die Backlist ist Selfpublishing interessant.
Mit Vertragsabschluss verkauft man normalerweise die Veröffentlichungsrechte für einen gewissen Zeitraum, üblicherweise etwa 5-10 Jahre. Leider gibt es auch viele Verträge, in denen die Autoren ihre Rechte für sehr, sehr lange an den Verlag abtreten, manchmal sogar lebenslang. Eine gute Agentur kann dabei helfen, dass man nicht in solche Fallen tappt. Doch leider gibt es auch Agenturen, die solche Klauseln absegnen. Sehr zum Leidwesen der Autoren, denn der Text ist damit weg. Er kann auch dann nicht wieder verwendet werden, wenn der Verlag keine nennenswerten Abverkäufe mehr hat.

Trotzdem gibt es auch Verlage, die die Veröffentlichungsrechte auf Nachfrage ganz unkompliziert noch vor Ablauf der Laufzeit an die Autoren zurückgeben. Manchmal ist das für die Verlage günstiger als der bürokratische Aufwand für eine Handvoll Verkäufe im Jahr.

Liegen die Rechte wieder komplett bei mir als Autorin, kann ich dem Buch ein neues Outfit gönnen und es den Leserinnen wieder verfügbar machen. So erreiche ich vielleicht sogar ganz neue Buchfans. Mit Backlist-Titeln wird man in der Regel nicht reich, aber so werden sie immerhin gelesen und man verdient noch ein paar Euro daran. Und eine stattliche Backlist kann einem durchaus auch die nächste Miete finanzieren.

Kleine und mittlere Verlage

In meiner kleinen Serie habe ich die kleinen und mittleren Verlage bewusst außen vor gelassen.
Einerseits weiß ich darüber zu wenig, andererseits decken sie aber auch ein riesiges Spektrum zwischen schwarz und weiß ab. Es ist mir beinahe unmöglich, diese riesige Vielfalt zu greifen.
Als Autorin habe ich bisher nur gute Erfahrungen mit kleinen und mittleren Verlagen gemacht – allein die Umsätze waren bislang zu gering.
Als Leserin wünsche ich mir, dass möglichst viele kleinere Verlage diese Umbruchzeit überleben werden. Denn es gibt so viele engagierte Verleger und so viele Perlen abseits des Mainstreams zu entdecken, und manchmal habe ich den Eindruck, dass die kleineren und mittleren Verlagen die einzigen sind, die auf Vielfalt setzen.

Grundsätzlich bin ich aber nicht sehr optimistisch, was den Buchmarkt für die nächsten Jahre anbelangt. Mir bleibt für mich eigentlich nur, das Beste dabei herauszuholen und die Wege einzuschlagen, mit denen ich mich am wohlsten fühle. Dazu gehören auch schreibnahe Dienstleistungen, um nicht allein von einer Tätigkeit abhängig zu sein.

Persönliches Fazit

Wie weiter oben gezeigt, ist Selfpublishing auch nicht die Lösung des Buchmarkt-Dilemmas, vor allem nicht für jeden.

Für Verlagsautoren mit regelmäßigen Veröffentlichungen im Hausverlag oder mit hohen Vorschüssen sowie für Autoren, denen Social Media überhaupt keinen Spaß macht, ist Selfpublishing vermutlich nicht der richtige Weg. Auch wer sich für Literaturpreise bewerben möchte oder wem die Veröffentlichung in einem namhaften Verlag wichtig ist, wird im Selfpublishing vermutlich nicht glücklich.
Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegenüber Selfpublishern (die auch nicht komplett unberechtigt sind) und es gibt nach wie vor Autorenvereinigungen, die reine Selfpublisher nicht aufnehmen.

Aber immer mehr Verlagsautoren wechseln entweder komplett ins Selfpublishing oder bauen sich dort zumindest ein zweites Standbein auf. Das ist insbesondere für Autoren der Midlist interessant, die Spaß am Social Media, keine Scheu vor dem Kontakt mit den Leserinnen und Lesern und kreative, tolle Ideen zu Vermarktung haben und neugierig und experimentierfreudig sind.

Mein Weg

Ich selbst habe meinen schriftstellerischen Weg mit einem Literaturstipendium vom Land NRW begonnen und bin über eine der großen Literaturagenturen in einen der größten deutschen Verlage gegangen. Auf meine anfängliche Euphorie folgte eine Schreibkrise, die ich durch das Selfpublishing überwunden habe. Es tat gut, einfach wieder das zu schreiben, worauf ich Lust hatte, ohne auf die Verkäuflichkeit schielen zu müssen. Ich habe ein völlig neues Genre ausprobiert, das mich schon immer gereizt hat, und bin mit meinem Pseudonym in eine völlig neue Rolle geschlüpft.
Die Veröffentlichungen habe ich jeweils mit meiner Agentin abgesprochen und mir ihr Okay dafür geben lassen. Das war gut, denn so reagieren nicht alle Agenturen.

Mein erster SP-Titel lief nicht gut, obwohl ich ein tolles Cover von meiner Wunschdesignerin hatte. Aber ich musste einsehen, dass das Cover nicht mir gefallen muss, sondern der Zielgruppe. Mit neuem Cover und neuem Titel lief es plötzlich von alleine, ohne dass ich viel tun musste.
Das war eine wichtige und lehrreiche Lektion, denn so habe ich viel über den Markt erfahren. Ich habe Einsichten erhalten, die mir mit einem Verlagstitel nicht möglich gewesen wären. Da wäre dieses Buch sang- und klanglos untergegangen. So aber konnte ich relativ einfach die Verpackung ändern, weil ich an den Inhalt glaube.

Die Erwartungen

Im Selfpublishing gibt es genauso wenige Gewissheiten wie im Verlagsgeschäft. Man kann alles richtig machen, und doch kann ein Buch floppen und Monate brauchen, um in die Gewinnzone zu kommen. Wenn überhaupt.
Für mich persönlich ist das Entscheidende jedoch, dass ich selbst Erfolg und Misserfolg definiere. Da ist niemand, der mir sagt: “Das hatten wir uns anders vorgestellt“, und ich habe nicht das Gefühl, jemanden zu enttäuschen oder fremde Erwartungen nicht erfüllt zu haben. Außerdem muss ich nicht für etwas geradestehen, auf das ich keinen Einfluss habe.

Ich kann täglich die Verkaufszahlen und Erlöse sehen, ich erhalte monatlich Geld, ich kann meinen Büchern eine andere Verpackung geben, ich kann mir Preisaktionen überlegen und ich kann Marketingaktionen planen, die zu mir passen und deren Erfolg allein mir zugutekommt.
Reich bin ich bisher weder mit der einen noch der anderen Veröffentlichungsvariante geworden. Aber für mein Selbstbewusstsein und meine eigene Wertschätzung war und ist das Selfpublishing aktuell der richtige Weg.

Entscheidungsfreiheiten

Ende vergangenen Jahres habe ich mich von meiner Agentur getrennt, weil ich mich in den nächsten ein oder zwei Jahren nicht im Verlag sehe. Das mag sich vielleicht auch wieder ändern, und dann schaue ich einfach weiter. Es ist jedenfalls gut für uns alle, dass wir zwischen mehreren Veröffentlichungswegen wählen können.
Ich bin froh, dass ich den Mut und die Möglichkeiten hatte und habe, sowohl das Verlagswesen als auch das Selfpublishing kennenlernen zu können. So weiß ich, welcher Weg aktuell der richtige für mich ist. Weitere Verlagsveröffentlichungen schließe ich nicht aus, aber ich werde nicht alle Bedingungen akzeptieren. Weil ich es nicht muss.

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass sich das Berufsbild Autor zukünftig in Richtung Hybrid-Autor wandeln wird. Nicht jede Geschichte, die wir schreiben, ist für jeden Markt geeignet. Manchmal gibt es einfach Geschichten, die erzählt werden wollen, selbst wenn sie nicht für ein Riesenpublikum geeignet oder interessant sind. Es ist leichter geworden, Geschichten fürs Geld zu schreiben und gleichzeitig Geschichten fürs Herz. Das muss sich nicht ausschließen, und Geschichten, die nicht zu dem einen Markt passen, passen vielleicht zum anderen.

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Segel setzen im rauen Wind

Es gibt noch unendlich mehr zu dem komplexen Thema zu sagen, aber das Wesentliche ist, glaube ich, gesagt.

Mir ging es in meiner kleinen Serie hauptsächlich darum, einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Denn, wie ich schon an anderer Stelle schrieb: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Aber jammern macht auch nichts besser.

Der Wind ist rau, er hat besonders in den letzten Jahren deutlich an Intensität zugenommen und bringt selbst große Transportschiffe ins Schlingern – ganz zu schweigen von den vielen kleinen Segelbooten, die über die Meere schippern.
Aber die meisten von uns lieben das Schreiben. Wer um den harten Wind weiß, kann auch lernen, die Segel richtig zu setzen. Und wer nicht mehr segeln mag, kann Mast und Schot abbauen und einfach die Sonne, die salzige Brise und das Rauschen des Meeres genießen. Oder die Möwen im Flug beobachten, während man an den Brötchen knabbert, die man sich auf andere Weise verdient hat.

Vielen Dank fürs Lesen!

 

Alle Bilder der Reihe: @pixabay.com

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