Das 1. Siegerländer Krimifestival

Ich bin ehrlich: Sehr lange war ich unsicher, ob das Siegerländer Krimifestival von Radio Siegen wie geplant stattfinden kann. Erst ab Donnerstag stellte sich Vorfreude bei mir ein, die dann aber bis Samstag schön anstieg.
Aber letztlich hat alles geklappt, wir hatten ein tolles Lesefest und auch die Gäste waren begeistert.
Das Heimhof-Theater in Burbach ist ein ganz besonderes Theater und bot die perfekte Kulisse für das Krimifestival. Hier ist die Zeit stehen geblieben, das Ambiente der Fünfzigerjahre hat einen ganz besonderen Charme und die Titelmusik von Miss Marple, die in Dauerschleife vorher und nachher lief, hat das Flair perfekt gemacht.
Der Abend konnte einfach nur gut werden!

„Der Siegerländer Krimi ist weiblich“

Ralf Strackbein, den meisten vermutlich bekannt, eröffnete das Festival mit einem Ausschnitt seines aktuellen Buches.
Im Anschluss stellte Sinje Beck ihre drei Romane über und mit Heiner Himmel, den leicht chaotischen Privatdetektiv, vor.
Nach einer kurzen Lüftungspause, die wir direkt schon zum Büchersignieren nutzen konnten, stand ich auf der Bühne.

Ausverkauftes Haus, noch vor dem Einlass

Ursprünglich hatte ich geplant, den Nachfolger von »Unter der Mauer« vorzustellen, den zweiten Fall der Psychologin Nike Klafeld.
Doch leider machte mir Corona einen Strich durch die Rechnung, und statt mit einem Mordfall durfte ich mich wochenlang mit Homeschooling beschäftigen. Da meine Romane immer relativ rechercheintensiv sind und ich keinen Schnellschuss abliefern möchte, muss die Veröffentlichung eben verschoben werden: Der zweite Teil erscheint also voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2021.
Stattdessen habe ich mein »Geheimprojekt« vorgestellt: Tod unterm Krönchen, der personalisierte Siegerland-Krimi!

„Tod unterm Krönchen“ – das Geheimprojekt

Dieses Buch kann man nicht im Handel kaufen, sondern nur bei mir bestellen. Jedes Buch ist ein Unikat und wird individuell von mir bearbeitet, denn Ihr bestimmt die Figuren in der Geschichte – eure Freunde, Familie, Arbeitskolleginnen, Nachbarn …
Ihr sucht aus, wer die Hauptrolle des Privatdetektivs oder der Privatdetektivin bekommt, wer Opfer ist, wer die Zeugen sind und wer die Polizei.
Dafür brauche ich ein paar wenige Angaben von euch über die Figuren, alles Weitere klären wir dann per E-Mail.
Beim Siegerländer Krimifestival habe ich den Anfang vorgelesen und dabei schon mal ein paar handelnde Figuren vorgestellt. Und so war Steffen Ziegler der Privatdetektiv, Tanja Maage das Opfer, Annette Schäfer, Micha Krämer, Sinje Beck und Ralf Strackbein waren Zeugen. Auch für einen Hund war noch Platz.
Mein Figurenensemble sorgte allgemein für Erheiterung und ich bekam – und bekomme immer noch! – viel positives Feedback für die Idee und auch schon einen Stapel Bestellungen. Damit werde ich mich ranhalten, damit alles bis Weihnachten fertig ist.
Leider hatte ich leichtes Chaos in meinen Ausdrucken, sodass ich ein wenig improvisieren musste. Das ist mir aber, glaube ich, ganz gut gelungen.

Geschichte im Backstage-Bereich

Nach mir war Annette Schäfer dran und stellt ihren neuen Siegerland-Krimi vor. Annette Schäfer schreibt zu jedem ihrer Bücher einen Song, und einen davon präsentierte sie uns an diesem Abend. Eine tolle und besondere Idee!
In der zweiten Lüftungspause gab es noch mehr Bücher zu signieren, bevor der dritte und letzte Teil begann.
Micha Krämer ließ diesmal die Gitarre zu Hause und las aus seinem neuen Krimi vor. Dafür wählte er einen Teil aus, den man eigentlich niemals auf einer Lesung präsentiert: den Schluss. Aber natürlich sparte er die entscheidenden Stellen aus, so dass man erst recht neugierig auf die Geschichte wird. Ich würde sagen, das Experiment ist gelungen.

Mitmach-Krimi auf der Bühne

Das Finale gestaltete Tanja Maage mit einem ihrer Mitmach-Krimis.
Die funktionieren nach dem Prinzip eines Krimidiners, nur ohne Essen. Wir anderen schlüpften also in vorgegebene Rollen, bekamen dafür Requisiten und ein Textheft und durften spontan auf der Bühne improvisieren.
Das hat nicht nur uns auf der Bühne Spaß gemacht, sondern offensichtlich auch dem Publikum.
Für mich war das »Improtheater« ein sehr gelungener Schluss, bei dem wir alle noch einmal gemeinsam auf der Bühne standen und uns von einer anderen Seite zeigen konnten.
Radio Siegen sammelte Stimmen von uns sowie aus dem Publikum, und den Rückmeldungen kann man entnehmen, dass sich ein zweites Festival definitiv lohnt.

Ich bin froh, dass ich dabei war und alles wie geplant durchgeführt werden konnte, und dass Abstand halten, Masken tragen und Lüften völlig normale Bestandteile des Abends waren.
Ein großes Lob also auch noch mal an das Heimhof-Theater, die uns sogar Plexiglasscheiben während der Signierstunden zur Verfügung stellten.
Das zeigt, dass man mit gutem Willen und pfiffigen Ideen auch in einer Zeit wie der Corona-Krise Kultur live erleben kann.

Die Signiertische mit Plexiglasscheiben
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Das Krimifestival von Radio Siegen

Endlich ist wieder Lesungszeit!

Dieses Jahr hat nicht nur den Buchmarkt allgemein ziemlich gebeutelt, sondern auch uns Autorinnen und Autoren.
Leider könnte ich davon ein Lied singen, wenn ich singen könnte.
Keine Angst – ich werde definitiv nicht versuchen, mir mit Gesang ein zweites Standbein zu verschaffen!

Auf die Bühne gehe ich aber trotzdem, sogar im altehrwürdigen Heimhof-Theater in Burbach-Würgendorf.
Da veranstaltet Radio Siegen nämlich ein Krimifestival mit insgesamt sechs heimischen Krimi-Autorinnen und Autoren.
Jede/r von uns bekommt eine halbe Stunde zur freien Verfügung und ich bin schon ganz gespannt!

Wann?
Am 17.10.2020 um 19.00 Uhr
Heimhof-Theater
Heimhofstr. 7a
57299 Burbach

Für meine dreißig Minuten habe ich mir eine ganz besondere Überraschung überlegt, die ich gerade mit viel Spaß vorbereite.
Ich verrate schon mal so viel: Es hat etwas mit Krimis zu tun. Und mit Weihnachten.
Den Rest erfahrt ihr dann vor Ort oder in meinem Newsletter, für den ihr euch gerne jederzeit anmelden könnt.
Wie weit die Kapazitäten darüber hinaus noch ausreichen, muss ich mal schauen.
Aber ich will hier ja niemandem den Mund wässrig machen …
(Oder doch?)

Achtung!
Karten gibt es nur im Vorverkauf!
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Ein Siegerland-Krimi auf der Siegerlandhütte

Manche Wünsche kann man sich nur selbst erfüllen …

Ein großer Wunsch von mir war es, einmal einen meiner Siegerland-Krimis auf die Siegerlandhütte zu bringen.
Die liegt in den Stubaier Alpen, irgendwo im Nirgendwo, und mein Weg dorthin war eines meiner Ziele für 2020.
Dass dieses Jahr dann doch völlig anders wurde als erwartet, muss ich ja niemandem erzählen. Entsprechend lange stand mein Plan auch auf der Kippe, bis ich mich zu einer endgültigen Entscheidung durchringen konnte.

Die Siegerlandhütte thront auf 2720 Metern über dem wunderschönen Windachtal bei Sölden im Tiroler Ötztal.
Egal, aus welcher Richtung man sich ihr nähert: Sie ist nur durch einen mehrstündigen Fußmarsch erreichbar – oder per Hubschrauber, aber das gilt natürlich nur für die Lebensmittel und alles andere, was dort ver- und gebraucht wird.
Entsprechend ihrer exponierten Lage ist sie auch nur etwa drei Monate im Jahr bewirtschaftet.
Ich wusste zwar vorher schon, dass die letzte Stunde hart wird – aber es war wirklich eine Herausforderung für uns Mittelgebirgswanderer!
Schneefelder und mannshohes Geröll gehören normalerweise nicht zu unseren bevorzugten Sommererlebnissen …

Aber wie ihr seht: Wir haben es geschafft!

Siegerland-Krimi auf der Siegerlandhütte – mit erschöpfter Autorin

Nach sechs Stunden Aufstieg inklusive Pausen zum Essen und Staunen waren wir endlich oben, total im Eimer, aber echt stolz.
Und so habe ich dem Hüttenteam einen signierten Siegerland-Krimi überreicht, der hoffentlich vielen Besuchern der Siegerlandhütte ein paar angenehme Momente bescheren wird.
Und wenn irgendwann mal jemand von euch dort oben ist, freue ich mich über eine kurze Rückmeldung, ein Bild oder einen Gruß, gerne auch als Kommentar unter diesem Beitrag.

Außerdem habe ich noch einen #SiegerlandStone dort hinterlegt – ob der wohl irgendwann wieder den Weg nach unten findet?

Ein SiegerlandStone, ein Wanderstein.
Finden – posten – weitertragen!

PS: Die Siegerlandhütte war nicht meine erste Hütte, aber definitiv die mit dem anspruchsvollsten Weg. Wegen der Corona-Pandemie mussten wir normale Schlafsäcke statt der üblichen Hüttenschlafsäcke mitnehmen, was das Gepäck volumen- und gewichtstechnisch direkt vervielfacht hat.
Aber wie heißt es so schön?
Nur die Harten kommen in den Garten!

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Schöne Feiertage!

Ich wünsche euch allen schöne Feiertage, viel Zeit für euch und die Menschen, die euch am Herzen liegen, ein paar ruhige Tage, gute Gespräche und genug Muße für alles, was euch wichtig ist.

Frohe Feiertage!
Frohe Feiertage!

Kommt gut ins neue Jahr – und ich freue mich, wenn ihr mir und meiner Seite auch 2020 treu bleibt!

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Interview mit Ricardo Orlando und Melanie Lahmer

Neulich war ich zu Besuch bei Fotograf und Videograf Ricardo Orlando im Studio DiWerk in Netphen. Wir hatten einen ziemlich witzigen Vormittag und Ricardo hinterher ganz schön viel Arbeit, um das Video zu schneiden!

Interview mit Ricardo Orlando im DiWerk

Wenn ihr also schon immer mal wissen wolltet, wie das bei mir mit dem Schreiben und Veröffentlichen so läuft und euch überhaupt mal ein Bild davon machen wollt, wer sich hinter diesem Blog verbirgt – dann schaut euch das Video auf YouTube an!

Nehmt ein bisschen Zeit mit oder lasst es als Podcast ohne Bild laufen – viel Vergnügen mit Ricardo und mir!


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Recherche – Erlebnisse im Zonenrandgebiet

Wie im Nachwort meines neuen Krimis schon erwähnt, habe ich für „Unter der Mauer“ ausführlich recherchiert.
Die Welt ist so spannend, es gibt so viel zu entdecken und herauszufinden, und oft ergeben sich durch die Recherche ganz neue Impulse für die Geschichte oder die Figuren.

Im Hintergrund: Herleshausen

Interzonenzüge

„Unter der Mauer“ hat auch mit mir und meiner eigenen Biografie zu tun. Ich bin im Zonenrandgebiet aufgewachsen, die innerdeutsche Grenze war nur wenige Kilometer entfernt und immer präsent. Mein Heimatort Bebra war einer von sieben Grenzübergängen für Bahnreisende zwischen der DDR und der BRD. Transitreisende mussten in Bebra Halt machen, die Züge wurden umfangreich kontrolliert. Doch von all dem bekamen wir Kinder natürlich nicht viel mit, der Bahnsteig für die Interzonenzüge war nicht so ohne Weiteres für uns zugänglich.

Bebra platzt aus allen Nähten

Da Bebra der erste West-Bahnhof für Reisende aus Thüringen war (also aus Gerstungen, Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, in der Verlängerung auch Leipzig), platzte unser kleines Städtchen aus allen Nähten. Ich sah Bilder, die sich fest eingebrannt haben und die ich nie wieder vergessen werde.
Ich war gerade fünfzehn geworden, wir hatten Samstagsunterricht, und zusammen mit meiner Freundin wollte ich – wie immer – nach der Schule durch die Stadt nach Hause bummeln.
Doch wir kamen nicht weit. Die Stadt war übervoll mit Menschen – kein Stadtfest vermag so viele Leute in die Stadtmitte zu locken wie dieser erste Samstag nach dem Mauerfall. Es war so eng, dass wir unsere Fahrräder tragen mussten, weil schieben nicht möglich war. Man kam weder vorwärts noch zurück und wir waren völlig geplättet. Natürlich hatten wir vom Mauerfall gehört – aber hier haben wir ihn erlebt.
Es war so unbeschreiblich, dass mir heute noch die passenden Worte fehlen.

Am Folgetag, einem Sonntag, waren außerplanmäßig die Geschäfte geöffnet. Für Fünfzehnjährige aus der Provinz war das in den 1980ern noch spannend genug, um in Erwartung eines Bummels in die Stadt zu gehen.
Nun ja, zu bummeln gab es da nicht mehr viel.
Die Regale im Supermarkt waren bei vielen Artikeln komplett leer geräumt, was ich in diesem Ausmaß weder vorher noch nachher wieder gesehen habe. Es war surreal.
Die Bahnhofsunterführung, normalerweise eine Abkürzung in die Innenstadt, war tagelang nicht passierbar, weil man zwischen all den Menschen überhaupt nicht durchkam. Der reguläre Bahnverkehr fand ja trotzdem statt.

Menschen, die an Zügen hängen

Das krasseste Bild jedoch erlebte ich etwas außerhalb von Bebra.
Die Züge Richtung Gerstungen/Eisenach fuhren in einem Bogen um die Stadt herum, der auch durch den Ortsteil Weiterode führte. Die Schienenführung verlief teilweise oberhalb der Straße, über Brücken.
Ich fuhr gerade mit dem Rad auf der Hauptstraße, als sich von hinten langsam ein Zug näherte. Sehr langsam. Warum?
Weil an diesem Zug Menschen hingen. Außen, auf den Stufen der Zugtüren! Andere quetschten sich an den heruntergelassenen Fenstern, hingen ebenfalls halb draußen. Ein Bild, wie man es aus Filmen und Dokumentationen über z.B. Indien kennt – aber eigentlich undenkbar in unserem mit Regeln und Gesetzen durchorganisierten Land. Und doch war es so.

Im Laufe der Zeit wurde es in Bebra wieder ruhiger, kurz darauf war es klein, gemütlich und schläfrig wie eh und je. Dafür begannen nun wir „Wessis“ unsererseits, den Osten zu erkunden.
Und damit begann für mich die Faszination für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Leben in der DDR und der BRD.
In „Unter der Mauer“ erzähle ich einen Teil davon.

Na sowas!

Tja – eigentlich wollte ich etwas über meine Recherche erzählen, nicht über meine Kindheit. *lach*
Aber irgendwie gingen beim Schreiben die Pferde mit mir durch, deshalb erzähle ich den anderen Teil eben später …

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Termine, Termine

Es dauert nun wirklich nicht mehr lange, bis „Unter der Mauer“ erscheint!
Die nächsten Lesungs-Termine sind noch in Planung, sobald es konkret wird, sage ich euch Bescheid.
Hier findet ihr schon mal die Termine der nächsten Zeit:

Freitag, 13. September von 14-18 Uhr:
Meet and Greet bei BücherbuyEva in Hilchenbach im Rahmen der Aktion „Heimat shoppen“ – gemeinsam mit anderen Siegerländer Autorinnen, unter anderem Mimi Heeger und Tine Nell

Donnerstag, 10. Oktober von 19-21.30 Uhr:
Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit im frei:RAUM in Siegen

An beiden Terminen könnt ihr natürlich auch signierte Bücher erwerben!

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Newsletter am 05.09.19

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Am kommenden Donnerstag erscheint mein nächster Newsletter – darin findet ihr nicht nur die Termine der kommenden Wochen, sondern auch eine Leseprobe für den „Wendekrimi“!

Ihr könnt euch ganz einfach hier anmelden – ich freue mich auf euch!

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Caminho Portugues – Tag 13

Kap Finisterre

Caminho Portugues - Kap Fisterra - Startbild

Ich verließ die Herberge in Santiago früh, da mir der Weg zum Busbahnhof sehr weit erschien und ich es hasse, zum Bus rennen zu müssen.
Ein wenig desorientiert stand ich kurz darauf bei Nieselregen neben einem Brunnen und starrte auf meine Karte. Ein Mann kam auf mich zu und fragte auf Deutsch, ob er mir helfen könne. »Ich suche den Weg zum Busbahnhof.«
»Alles klar«, antwortete er. »Ich bringe dich hin.« Ich muss wohl ziemlich irritiert geschaut haben, denn er lachte. »Ich bin vorgestern vom Francés gekommen. Da brauche ich sowieso noch Bewegung, sonst bekomme ich muskuläre Probleme. Außerdem möchte ich etwas von dem zurückgeben, das mir der Weg geschenkt hat.«
Freudig nahm ich sein Angebot an. Er brachte mich bis zum Bahnhof und zeigte mir sogar, an welchem Schalter ich mein Ticket bekomme. Wir verabschiedeten uns und er wünschte mir noch eine gute Zeit in Fisterra. Er selbst war schon mehrmals da, weil er regelmäßig den Camino geht.
»Aber meine Freunde halten mich deswegen für verrückt. Dabei müssten sie es nur einmal selbst probieren, dann wüssten sie, warum ich immer wieder gehe.«
Diese Szene zeigt sehr schön, was den Camino so besonders macht – und warum man ihn immer wieder gehen möchte.

Fisterra, das Fischerdorf am Ende der Welt

Fisterra ist ein kleines Fischerdorf auf einer Landzunge im äußersten Westen Spaniens. Die Busfahrt ans Ende der Welt (Fis = Ende, Terra = Erde) war atemberaubend. Von den drei Stunden führten fast zwei an der Atlantikküste entlang. Die Costa de Morte ist unfassbar schön: Berge treffen auf das Meer, es gibt weiße Sandstrände und raue Wellen. Trotzdem ist die Gegend nicht touristisch. Wahrscheinlich interessieren sich die meisten Menschen für Spaniens Südküste und wissen gar nicht, wie toll der Norden ist.
Kaum hielt der Bus in Fisterra, kam eine Frau auf mich zu und fragte, ob ich ein Bett bräuchte. Klar! Ich wusste aus Erzählungen, dass das passieren wird und war froh, mir keine Unterkunft suchen zu müssen. Das würde definitiv meine letzte Nacht in einer Pilgerherberge mit Stockbetten sein, deshalb war ich nicht wählerisch. Am nächsten Tag würde ich die lange Busfahrt bis nach Porto auf mich nehmen, um von dort wieder nach Hause zu fliegen.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - der Hafen von Fisterra
Der Hafen von Fisterra

Fisterra empfing uns mit Regenwetter. Trotzdem trank ich am Hafen erstmal einen Kaffee, um nicht nur physisch, sondern auch psychisch anzukommen. In einem Supermarkt holte ich mir Proviant und machte mich auf den Weg zum Kap Finisterre mit dem Leuchtturm. Viele Pilger gehen von Santiago bis Fisterra zu Fuß, so auch Stefan, dem ich letztlich meine Compostela zu verdanken haben. Der Weg ist knapp neunzig Kilometer lang und dauert ca. drei Tage. Es gibt sogar eine eigene Pilgerurkunde extra für den Camino a Fisterra, die Fisterrana.
Unterwegs überholten mich immer wieder voll besetzte Touristenbusse und ich fragte mich, ob Nadine, Silvie und Laura wirklich eine Rundfahrt gebucht oder doch eine andere Möglichkeit gefunden hatten. Oder ob sie überhaupt noch hierher kommen wollten.

Sich selbst und den Camino feiern

Doch so schön Kap Finisterre mit seinen Felsen und dem schäumenden Meer auch für Besucher ist: Der Ort wirkt erst wirklich mystisch, wenn man den Camino gegangen ist.
An dem berühmten 0,00 km-Stein musste ich übrigens für das Foto anstehen. Einige der Bustouristen ließen sich – warum auch immer – mit dem Stein ablichten.
Hinter dem Stein steht der Leuchtturm, dahinter noch ein Kreuz, und dann kommt nur noch das weite Meer.
Ich suchte mir einen ruhiges Eckchen auf den Felsen, holte Brot, Käse, Schinken und Wein hervor und feierte mich und meinen Camino. Der Wind wehte stark, die Wellen schlugen gegen die Felsen, Gischt sprang empor und ich konnte kaum glauben, wie schön die Welt ist. Dieser Planet, unser aller Zuhause. Und wir Menschen mittendrin, die wir uns trotz unserer Winzigkeit so wichtig finden. Aber für die Erde sind wir verzichtbar.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - der Null-Kilometer-Stein
Am berühmten 0,00 km-Stein

Wir Individuen sind wichtig für andere Menschen, auch wenn wir es nicht immer spüren. Alle meine Wegbegleiter waren bedeutsam für mich gewesen. Die einen mehr, die anderen weniger. Selbst ein simples »Bon Camino«, ein kleines »Bom Dia«, ein »Obrigada« oder ein »Dias« war ein schönes Zeichen und tat gut. Jedes Lächeln, jedes freundliche Wort und jedes Gespräch hatte eine Bedeutung und machte den Weg leichter und schöner.
Und ich bin mir sicher, dass auch ich für andere Pilger wichtig war. Viele kannten vielleicht nicht einmal meinen Namen, so wie ich nicht von allen den Namen kennen. Kaum jemand wusste von meinem Beruf, aber auch ich weiß nicht, womit die anderen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ich hatte so viele glückliche und gute Momente auf dem Weg und empfinde es als Glück, überhaupt gehen zu können. Den Weg gehen zu können. Mit nur wenig Ballast außer meinem Rucksack.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - Pilgerstatue
Pilgerstatue auf dem Weg zum Leuchtturm

Für viele Menschen ist der Jakobsweg ein lang gehegter Wunsch, und für viele wird es auch ein Wunsch bleiben, weil sie ihn aus verschiedenen Gründen nicht realisieren können. Andere hingegen erhoffen sich auf dem Weg Hilfe. Hilfe bei der Trauerbewältigung, Hilfe in Umbruchphasen, Hilfe, wenn Orientierung fehlt.
Man sagt oft, der Camino gibt dir, was du brauchst. Und wer offen für neue Begegnungen, neue Gedanken und neue Blickwinkel ist, wird reich beschenkt werden.

Der Weg ist zu Ende

Zweieinhalb Stunden verbrachte ich am tosenden Atlantik, ließ mir den Kopf und die Gedanken freipusten, dann ging ich die drei Kilometer zurück ins Dorf.
Santiago war das Ziel meines Jakobsweges gewesen, aber erst am Kap Finisterre habe ich ihn beendet.
Plötzlich vermisste ich meine Familie, wollte meinen Mann und meine Kinder in die Arme schließen, sie sehen, mit ihnen reden, mich vergewissern, dass es ihnen gut geht. Eine gut bekannte Unruhe erfasste mich und da wusste ich: Ich habe meinen Weg abgeschlossen.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - Steinkreuz, dahinter der Ozean
Steinkreuz am Kap Finisterre

In meinem Schlafsaal nächtigten witzigerweise die drei Italiener aus Rates, die damals so früh das gesamte Zimmer weckten. Es gab in den ganzen zwei Wochen nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht jemand Bekanntes traf.
Für den nächsten Tag war Starkregen angesagt, und entgegen meinem Plan frühstückte ich doch nicht am Hafen, sondern wollte mit dem ersten Bus nach Santiago fahren.
Die Überraschung erwartete mich an der Bushaltestelle. Hier standen gut hundert Pilger und wollten zurück nach Santiago! Der Bus war natürlich sofort voll. Ein zweiter Bus wurde angefordert. Auch der war in kürzester Zeit voll. Da ich noch Zeit hatte, wartete ich auf den dritten Bus. Dieser fuhr den langen Weg an der Costa da Morte vorbei und war nicht so voll wie die anderen beiden. So konnte ich aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen, die ich so schnell nicht wieder sehen würde.

Zurück in Santiago de Compostela

In Santiago hatte ich vier Stunden Aufenthalt, bevor mein Fernbus nach Porto fuhr. Für mich war klar, dass ich die Zeit in der Stadt und an der Kathedrale überbrücken würde. Selbst bei Regen.
Doch diesmal wollte der Funke nicht überspringen. Ich sah die neu ankommenden Pilger, ich sah die Kniefälle, die Tränen, die Freude, die Umarmungen und die in die Höhe gereckten Arme, Rucksäcke und Fahrräder. Ich hörte die Musik des Dudelsacks und ging durch die Straßen, vorbei an den vielen Menschen.
Doch es berührte mich nicht. Ich hatte meinen Weg am Kap Finisterre beendet.
Das hier war nicht mehr meine Zeit. Heute waren andere Pilger dran. Ich setzte mich vor eine Bar, trank einen letzten Café Con Leche und aß einen Burger und beobachtete die Pilger, die durch die Stadt zogen. Es gibt viele Wege nach Santiago de Compostela, und jeder Weg führt aus einer anderen Gasse auf den Platz vor der Kathedrale. Man kann daran ziemlich leicht erkennen, welchen Camino die Menschen gegangen sind. Die Pilger, die an dieser Stelle die Stadt erreichen, kamen vom Camino Francés, dem berühmtesten aller Jakobswege. Auch ich möchte irgendwann einmal auf diesem Weg Santiago erreichen.
Doch fürs Erste hatte ich genug. Obwohl ich noch ausreichend Zeit hatte, ging ich zurück zum Busbahnhof. Ich wartete lieber zwei Stunden in der Wartehalle, als mich diesen vielen Menschen in der Stadt auszusetzen.
Am Abend fuhr ich dann mit dem Bus nach Porto. Vier Stunden lang konnte ich Teile der Strecke noch einmal Revue passieren lassen. Ich fuhr durch Städte, die ich zu Fuß durchschritten hatte, ich fuhr an Bergen vorbei, durch die ich mich durchgekämpft hatte. Und dann war ich wieder in Porto, wo alles angefangen hatte.
Es fühlte sich gut an.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - weißer Sandstrand mit Felsen
Praia de Langostera

Früh am nächsten Morgen ging mein Flieger. Am Flughafen traf ich ein letztes Mal auf Annette mit der verkehrten Zeit und auf Clemens. Wir saßen im selben Flieger, aber nicht nebeneinander. Kurz nach der Landung in Köln umarmten wir einander noch einmal, bis jeder seiner Wege ging.
Ich holte meinen Rucksack, verließ die Halle und schloss meine Familie in die Arme.

Wieder zu Hause

Die Anpassung nach der Rückkehr war nicht ganz einfach. In den ersten Tagen hielt ich es drinnen nicht aus und arbeitete draußen. Die Stadt war mir zu eng, mir fehlte der Blick in die Weite, auf das Ziel, das ich am Ende des Tages erreichen wollte.
Als ich die ersten beiden Blogbeiträge schrieb, brauchte ich eine Pause vom Weg. Ich sehnte mich nach diesem einfachen Leben, dem minimalistischen Gepäck, den geringen Bedürfnissen und gleichzeitig dem Trott des Pilgeralltags: morgens aufwachen, den Rucksack packen, kurz ins Bad huschen und losziehen. Laufen, die Welt an sich vorüberziehen lassen, essen, wenn man hungrig ist und trinken, wenn man durstig ist. Einfach alles hinnehmen, wie es ist und das Beste draus machen. Und einen Schritt nach dem anderen gehen.

Caminho Portugues - Kap Fisterra - Felsen und tosende Atlantikküste
Blick auf den Leuchtturm von Kap Fisterra

Ich habe viel gelernt auf dem Weg. Das Wichtigste ist wahrscheinlich die Erkenntnis, dass der Jakobsweg das Leben im Kleinen widerspiegelt. Man trifft auf Menschen, die einem von Anfang an zu Herzen gehen und auf Menschen, die einem unsympathisch sind. Manche Menschen begleiten einen für eine sehr lange Zeit, andere bleiben nur kurz. Doch die Zeit, die man miteinander verbringt, sagt nichts über die Beziehung aus.
Man hat Phasen, in denen man glaubt, es ginge nicht weiter. Phasen voller Schmerz, Trauer und Wut. Und man hat Zeiten, in denen läuft es wie geschmiert, alles ist gut, man fühlt sich wie vom Glück geküsst. In dieser komprimierten Form weiß man, dass es immer weitergeht, auch wenn man nicht daran glaubt. Man weiß, dass man es schafft. Nicht immer einfach, nicht immer sofort, aber man schafft auch die schrecklichen Phasen. Und man erlebt auch, dass man Menschen, die man aus den Augen verloren hat, plötzlich wiedertrifft. Und dass es gut ist, wie es ist.
Es erfüllt mich mit Stolz, den Jakobsweg gegangen zu sein. Ich bin ihn gegangen und ich habe ihn geschafft. Auf all meinen bisherigen Lebensstationen konnte ich nie sicher sagen, wie groß mein eigener Anteil am Gelingen war.
Wie oft hat man einfach Glück, ist zur rechten Zeit am rechten Ort, hat Gönner, Förderer, Neider oder Menschen, die einen bevorzugen oder benachteiligen. Doch auf dem Camino geht es nicht um einen guten Tag oder einen lichten Moment, sondern um das, was ich ganz alleine geschafft habe.
Auch wenn man viel Unterstützung hatte – sei es nun mental oder durch Gepäcktransport – so ist man den Weg doch selbst gegangen. Man hat etwas geleistet, von dem viele andere Menschen träumen und etwas, das sich viele nicht trauen. Wer den Camino plant, hat eigentlich schon gewonnen.

Der Jakobsweg macht süchtig

Wenn ihr also darüber nachdenkt, dann macht es. Denkt es nicht nur, wünscht es euch nicht nur, sondern macht es. Wartet nicht auf Zeiten, die vermeintlich besser sind. Wer weiß schon, ob die jemals kommen werden. Oder ob es nicht vielleicht doch irgendwann zu spät für den Camino ist.
Aber vergesst nicht: Das Camino-Fieber ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!
:)

Caminho Portugues - Kap Fisterra - Felsen mit Brandung
Und vor uns das Meer

Ich hoffe, euch hat mein Rückblick auf den Caminho Portugues gefallen. Manches ist vielleicht für Außenstehende nur mäßig interessant, dafür steigert es bei anderen die Vorfreude oder lässt den eigenen Weg noch einmal Revue passieren.
Und ich trage im Hinterkopf den Gedanken, das Ganze noch einmal in eine neue Form zu bringen und als Buch zu veröffentlichen. Aber erstmal sind jetzt andere Themen dran.

Caminho Portugues Tag 12 – Von Faramello nach Santiago de Compostela

Caminho Portugues Tag 1 – Von Porto nach Angeiras

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