Zeit? Was ist das nochmal?

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Foto: Valentin Bachem – http://www.vbachem.de
„CC-BY-SA 2.0“ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/ …

Jakobsweg

Ich weiß, dass viele von euch auf die Fortsetzung meiner Jakobsweg-Beiträge warten. Wenn ich ehrlich bin: ich auch!

Aktuell fehlt mir allerdings etwas, von dem ich auf dem Caminho Portugues ausreichend hatte, nämlich Zeit.

Der neue Siegerland-Krimi liegt in den letzten Zügen; die Überarbeitung nimmt einige Zeit in Anspruch. Es soll ja immerhin ein guter Start für Nike Klafeld werden!

11 Schritte ins Glück

Vergangene Woche hatte ich einen tollen Vortrag in Hilchenbach in der Buchhandlung Bücher buy Eva. Dort habe ich meinen Nachhaltigkeits-Ratgeber „11 Schritte ins Glück – Zero Waste, plastikfrei und Minimalismus für Einsteiger“ vorgestellt und eine sehr interessierte und diskussionsfreudige Runde erlebt.

Sarah Engelhard von der Westfalenpost war auch dabei und hat einen schönen Artikel über den Abend geschrieben:

11 Schritte ins Glück mit Autorin Melanie Lahmer

Literaturcamp Heidelberg

Zwei Tage später war ich in Heidelberg beim Literaturcamp, mittlerweile eine feste Institution in meiner Jahresplanung.

Dort habe ich ebenfalls eine Session zum Thema Nachhaltigkeit angeboten und hatte wieder viel Spaß und neue Erkenntnisse und konnte weitere Ideen mit nach Hause nehmen. Was uns allen von diesem Wochenende wohl am meisten in Erinnerungen bleiben wird: die Hitze. Am Sonntag hatten wir 38 Grad in Heidelberg, was leider auch Zugausfälle und Rückreisestress mit sich führte.

Wenn ich Zeit finde, schreibe ich noch einen ausführlicheren Bericht über das #LitCamp19, aber da möchte ich nicht zu viel versprechen.

Siegerland-Krimi

An erster Stelle steht jetzt erstmal der Siegerland-Krimi, die ersten Lesungen sind geplant, die Testleserinnen und Lektorinnen scharren mit den Hufen und ich hoffe, dass ich mein geplantes Pensum auch schaffe.

Dann geht es auch mit meinen Berichten über den Jakobsweg weiter!

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Caminho Portugues – Tag 2

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Vom Campingplatz Angeiras über Vila do Conde nach Rates

Atlantikküste mit Sandstrand und Holzsteg

Meine erste Nacht als Pilgerin war leider ganz furchtbar.
Weil der Bungalow nicht isoliert war, fror ich wie der sprichwörtliche Schneider. Mein Sommerschlafsack war viel zu dünn, denn an der Atlantikküste sind die Nächte auch im Mai noch empfindlich kalt. Außerdem war irgendwo in der Nähe ein Open-Air-Konzert, denn bis 2:30 Uhr waren Musik und Jubel zu hören. Ich konnte erst schlafen, als draußen Ruhe herrschte und ich sowohl meine Sporthose als auch eine Jacke im Schlafsack angezogen hatte.

Tag 2 auf dem Caminho Portugues - von Angeiras über Vila do Conde nach Rates
Holzstege, kilometerweit

So kam ich dann immerhin auf etwa drei Stunden Schlaf. Erholsam ist jedenfalls etwas Anderes und im Nachhinein frage ich mich, ob der folgende Tag mit mehr Erholung besser geworden wäre.
Da es erst ab sieben Uhr Frühstück gab, konnte ich mir ausreichend Zeit beim Rucksackpacken lassen. Hier hatte ich definitiv noch Optimierungsbedarf, schließlich musste alles, was ich mithatte, irgendwie reinpassen, das Gewicht sollte gut verteilt und obendrein auch noch das Wichtigste griffbereit sein.
Dass der Kaffee in Portugal lecker sein soll, war mir schon zu Ohren gekommen. Aber dass er so lecker ist, hatte ich nicht erwartet. Schon nach der ersten Tasse fragte ich mich, wie ich jemals wieder die Plörre in Deutschland trinken sollte (Spoiler: Es geht, aber ich suche noch nach dem ultimativen Rezept).

Holzstege

Die ersten beiden Stunden am Meer waren fantastisch.
So früh am Morgen waren nur wenige Menschen unterwegs, die Luft war frisch und noch nicht zu heiß, das Meer brandete gegen das Ufer und die bizarren Felsformationen waren ein wahrer Augenschmaus.

Atlantikküste: Sandstrand mit Holzsteg
Zwischen Angeiras und Vila do Conde

Doch je später es wurde, desto voller war auch der Weg. Immer wieder musste ich Joggern und Radfahrern ausweichen, die Sonne brannte, und irgendwie reichte es langsam mal mit den Holzstegen.
Der Caminho Portugues hat zwei Hauptstrecken: Die noch relativ neue Variante da Costa, auf der ich mich gerade befand, und den »alten Weg«, den Camino Central im Landesinneren. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von der Küstenvariante auf den zentralen Weg zu wechseln. So faszinierend die Atlantikküste auch war, so interessierte mich doch das Landesinnere mehr und ich erwartete größere Abwechslung entlang des Weges und unter den Sohlen.

Also entschied ich, in Vila do Conde auf den Camino Central zu wechseln.
Doch vorher wollte ich mich noch gebührend von der Küste verabschieden und ging in ein Café, um bei einem schönen Kaffee noch einmal sinnierend auf den Atlantik zu blicken. Doch wer saß bereits dort? Birgit!
Wir beschlossen, den Weg in Richtung Rates gemeinsam zu suchen. Draußen vor dem Café saßen auch noch Regina, Marianne und Heike, meine pfälzischen Tischnachbarinnen vom Vorabend. Irgendwie fühlte es sich gut an, in der Fremde immer wieder auf bekannte Gesichter zu treffen.

Asphalt

In Vila do Conde teilte sich der Weg: Links ging es weiter an der Küste, rechts in Richtung Landesinneres. Soweit die Theorie.
Die Praxis war weniger einfach, denn direkt im ersten größeren Ort lernte ich ein Problem kennen, das sich bis einschließlich Santiago weiterführen sollte: In Städten fehlen Pfeile.
Außerorts gibt es so viele Markierungen, dass man sich eigentlich kaum verlaufen kann (hüstel, dazu später mehr), innerorts, wo die Pfeile wirklich wichtig wären, fehlen sie größtenteils.

Aqueduto de Santa Clara in Vila do Conde
Aqueduto de Santa Clara in Vila do Conde

Mittlerweile waren wir zu dritt und nahmen nicht nur den gelben und den roten Wanderführer zu Hilfe, sondern auch noch eine App. Nach anfänglicher Verwirrung fanden wir dann tatsächlich den richtigen Weg, und von da an lief wieder jede für sich.
Die Strecke zog sich. Die Sonne brannte. Die Portugiesen waren schreckliche Autofahrer. Der Weg führte durch ein Industriegebiet. Es wurde immer heißer. Ich wünschte mir die Holzstege zurück, um nicht Kilometer um Kilometer auf Asphalt laufen zu müssen. Immer wieder musste ich mich mit meinem Rucksack an Hauswände oder Mauern pressen, um nicht mit 70 km/h umgenietet zu werden. Die zahlreichen Warnhinweise entlang des Weges beeindruckten die Autofahrer jedenfalls nicht.

„Busy road“

Ach, hatte ich schon erwähnt, dass es heiß war?
Es war furchtbar. Kein Ort, keine Menschen, kein Café, dafür Autofahrer im Kamikazemodus auf Straßen ohne Gehwege. Warum nur waren so viele Menschen im Internet so begeistert von diesem Weg? War ich vielleicht einfach von meiner Mittelgebirgsheimat verwöhnt? Kannten die anderen womöglich keine besseren Wege?

Kopfsteinpflaster

Der überhitzte Asphalt unter meinen Füßen wurde nur vom berühmt-berüchtigten Kopfsteinpflaster abgelöst.
Die Hitze, die rücksichtslosen Autofahrer und die wenig ansprechende Streckenführung machten mich mürbe und ich wollte nur eines: ein Bett. Ich würde sogar ein teures Hotelzimmer nehmen, damit dieser Tag endlich ein Ende hätte. Nur noch über diese Autobahnbrücke, dann würde ich das erstbeste Bett in Arcos nehmen.
Aber wie war das noch mit den Plänen?
Hinter einer Biegung sah ich auf einmal Pilger aus einem Waldstück kommen. Der Camino Central! Menschen mit Rucksack, Pilgerhut und Wanderstöcken spazierten gut gelaunt auf einem Feldweg, und irgendwie sahen sie deutlich entspannter aus, als ich mich fühlte. Als dann auch noch die langweiligen aufgemalten gelben Pfeile durch glänzende Kacheln mit Jakobsmuschel ersetzt wurden, konnte ich auf einmal ungeahnte Kräfte freisetzen.
Ein Ehepaar aus Kalifornien begleitete mich noch von Arcos bis nach Rates, ich konnte mein Englisch ein wenig aufpolieren und bemerkte kaum, wie sich Kopfsteinpflaster und Asphalt abwechselten.

Zitronenbaum hinter alter Mauer
Duftende Zitronenbäume

Diese 5 km fühlten sich mehr nach Pilgern an als alles, was ich bis dahin auf dem Weg erlebt hatte. Als ich dann endlich nach 25 km die öffentliche Herberge in Rates erreichte, war ich den Tränen nahe. Auf die körperliche Erschöpfung folgte ein wunderbarer, herzlicher Empfang und ich spürte erstmals so etwas wie »Pilgerfeeling«.
Die elf Betten in dem Schlafsaal sah ich als Herausforderung an und freute mich erstmal auf die Dusche und ein kühles Bier. Birgit war schon längst da, wir tranken Bier und aßen Oliven im Innenhof der Herberge und gingen später zu sechst ein Pilgermenü essen. Anschließend saßen wir noch bis nach Einbruch der Dunkelheit im Innenhof, quatschten, lachten, blödelten und ich lernte wieder neue Leute kennen.
Ich ahnte, dass Pilgern doch etwas anderes war, als in der Mittagshitze auf langweiligen Straßen zu laufen.

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Der Caminho Portugues – Teil I

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Heute vor einem Monat flog ich von Köln nach Porto, um das wunderbare Abenteuer Jakobsweg zu starten.

@caminhoPortuguesTag1


Elfeinhalb Tage lang bestand mein Alltag nur aus walk, eat, sleep, repeat – immer auf der Suche nach den gelben Pfeilen, die mir den Weg wiesen.
Zwölf Mal stand ich morgens auf, zog mich an, rollte meinen Schlafsack zusammen, schnallte meinen Rucksack auf und ließ mich von gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln auf blauem Grund durch Portugal und Galicien führen.
Zwölf Tage lang lief ich bei angenehmen Temperaturen, aber auch bei sengender Hitze und im strömenden Regen von Herberge zu Herberge und von Kilometerstein zu Kilometerstein.
Zwölf Abende verbrachte ich mit netten Menschen, gutem Essen, kühlem Bier und interessanten Gesprächen, ehe ich müde und zufrieden in meinen Schlafsack krabbelte.
Zwölf Nächte gelang es mir, mit Schlafbrille und Ohropax in Mehrbettzimmern zu schlafen, obwohl es im Schlafsack entweder zu heiß oder zu kalt war.

Tag 0: Wer braucht schon Pläne?

Freitagnachmittag landete mein Flieger in Porto.
Es war mein erster Flug und, wenn ich ehrlich bin, nicht unbedingt ein Highlight meines bisherigen Lebens.

@HafenPorto
Hafen Porto mit Ponte Dom Luis I.

Doch die Altstadt von Porto und das anstehende Abenteuer Jakobsweg ließen den Flug schnell vergessen.
Zur Einstimmung auf den Camino buchte ich lange im Voraus ein Bett in einem Viererzimmer in einem Hostel in der Altstadt, unmittelbar am Hafen bei der weltberühmten Brücke Ponte Dom Luis. Jedes Bett hatte einen Vorhang sowie Steckdose und Licht, sodass es trotzdem noch ein wenig Intimsphäre gab.
Den Nachmittag und den Abend verbrachte ich damit, durch die Altstadt zu spazieren, die ausgelassene Stimmung am Hafen zu genießen und die erste – und wichtigste! – Lektion meines Camino zu lernen: Pläne sind in Ordnung – man muss sich aber nicht dran halten.

@Porto bei Nacht
Porto bei Nacht

Eigentlich wollte ich meinen ersten Tag auf dem Camino mit dem ersten Stempel in meiner Credencial beginnen. Das Pilgerbüro in der Kathedrale in Porto öffnet morgens um neun Uhr, und nach dem offiziellen Startschuss wollte ich mit der historischen Straßenbahn bis an den Atlantik fahren und von dort aus grob in Richtung Santiago laufen.
Da ich aber schon am Freitag bei meinen Stadtspaziergang mehrmals an der Kathedrale vorbeikam, holte ich mir den Stempel schon vorher.
Dadurch konnte ich am Samstag direkt die erste Tram um neun Uhr zur Küste nehmen. Obwohl diese Bahn immer sehr voll sein soll, war um diese Uhrzeit noch wenig los und alle bekamen einen Sitzplatz. So schaukelten und quietschten wir also Richtung Atlantik, immer vorbei am Duoro, an Häusern, Palmen, Schiffen, Autos – und jeder Menge Pilgern. In diesem Moment war ich froh, mich für die Variante mit der Bahn entschieden zu haben, um diese 5 km zwischen Straßen und Schienen abzukürzen.
Dass in dieser Bahn drei Pilgerinnen saßen, mit denen ich noch viele besondere Augenblicke auf dem Camino teilen würde, ahnte ich in diesem Moment nicht.

Tag 1: Portos Atlantikküste

Die Ankunft am Atlantik war der Hammer.
Anders kann ich es nicht beschreiben, deshalb lasse ich lieber ein paar Bilder sprechen.

Während es in Siegen schneite, schien in Porto die Sonne und pfiff mir der Wind um die Ohren. Ich war sehr gespannt, was in den nächsten zwei Wochen auf mich zukommen würde. Zwischen den sportlichen und sommerlich gekleideten Portugiesen liefen immer wieder Pilger mit großen Rucksäcken auf der Promenade vor und hinter mir. Doch niemand wünschte mir »Bom Caminho«, wie ich es im Internet gelesen hatte. Vielleicht waren Pilger auf diesem Abschnitt einfach doch zu gewöhnlich, um sie weiter zu beachten.
Ich ging nicht besonders schnell und blieb immer wieder stehen, um Fotos zu machen oder besondere Momente zu genießen. Meine Mittagspause verbrachte ich auf einem Felsen mit Blick auf das Meer und fühlte mich frei, erwartungsfroh und auch ein klein wenig unsicher. Würde ich auch immer ein Bett finden? Was müsste passieren, um den Weg abzubrechen? Wie weit würde ich kommen und würde ich fit bleiben?
Santiago de Compostela war noch fast 250 km entfernt und ich hatte keine Ahnung, wie ich diese Distanz meistern sollte.

Überraschung auf dem Campingplatz

Nachmittags wurde es zunehmend beschwerlich, die Sonne knallte vom Himmel, der Wind ging mir auf die Nerven und ich hatte Angst, kein Bett mehr zu bekommen.
Nach etwa 20 km verließ ich in Angeiras den Weg, um mir das erste Mal auf dem Camino spontan einen Schlafplatz suchen. Das erwies sich allerdings als sehr viel einfacher als gedacht, denn der Rucksack mit der Pilgermuschel und die Credencial öffneten mir vom ersten bis zum letzten Tag viele Türen.
Auf dem Campingplatz konnte ich für elf Euro ein Bett in einem kleinen Bungalow mieten. An der Rezeption sagte man mir, dass man das zweite Bett an eine andere alleinreisende Pilgerin vermieden würden, falls noch eine käme.

Bungalow auf dem Campingplatz Orbitur Angeiras

Kein Ding, dachte ich mir und ging duschen und meine Klamotten waschen. Nach einem kalten Bier ging ich zum Restaurant, um dort mein erstes Pilgermenü zu mir zu nehmen. Gelesen hatte ich davon schon viel, entsprechend neugierig war ich.
Die meisten Tische waren entweder noch komplett leer oder schon voll belegt. An einem kleinen Tisch saßen drei Pilgerinnen, die mir schon an der Endhaltestelle der historischen Straßenbahn aufgefallen waren und Deutsch sprachen.
Ich setzte mich dazu, wir kamen ins Gespräch und tauschten unsere Reiseführer aus, da wir unterschiedliche Bücher besaßen (für Insider: Ich habe den roten Wanderführer, weiter verbreitet ist aber der gelbe). Plaudernd gingen wir zurück zu unseren Bungalows (wir waren quasi Nachbarinnen) und ich sah, dass in der Zwischenzeit das zweite Bett belegt war. Meine erste Frage an die Frau in meinem Alter war die nach der Sprache und siehe da: schon wieder eine Deutsche. Wie praktisch, da mein Englisch einigermaßen eingerostet ist.
Wir kamen ins Gespräch und als ich erzählte, dass ich das erste Mal in meinem Leben überhaupt geflogen war, stutzte mein Gegenüber und fragte mich: »Bist du Melanie?«
Ich nickte verwundert und überlegte, wem ich denn schon meinen Namen verraten hätte. Mir fielen eigentlich nur die drei Pfälzerinnen vom Abendessen ein, aber das passte irgendwie nicht.
»Ich bin Birgit von Facebook!«
Lachend fielen wir uns in die Arme und ich lernte die nächste Lektion: Kein Zufall ist so abwegig, dass er nicht doch eintreten kann.
Birgit und ich sind in der gleichen Facebook-Gruppe über den Caminho Portugues und sie schickte mir vor einiger Zeit eine Freundschaftsanfrage, da wir zur gleichen Zeit unterwegs sein würden. Normalerweise nehme ich gar keine Freundschaftsanfragen von Fremden an, wegen des Weges habe ich aber eine Ausnahme gemacht.
Und dann landet von all den vielen Menschen auf dem Caminho Portugues ausgerechnet Birgit in meinem Bungalow!
So fand ich gleich am ersten Tag Gefährtinnen, die mich noch eine ganze Weile begleiten sollten.

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Ich bin dann mal … auf dem Jakobsweg!

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Seit dem Ende der #11StepsChallenge war es hier im Blog relativ ruhig, das hat aber auch besondere Gründe.

Zum Einen schreibe ich gerade wirklich fleißig am neuen Siegerland-Krimi.
Auf dem MädelsKramMarkt vor knapp drei Wochen in der Siegener Innenstadt haben einige von euch ja schon Cover und Titel des Buches kennenlernen können, und auch die Newsletter-Abonnenten wissen schon Bescheid. Alle anderen müssen sich noch ein wenig gedulden …
Das intensive Schreiben hat allerdings zur Folge, dass mir für den Blog die Zeit, manchmal aber auch die Muße fehlt. Außerdem sind noch ein paar Wanderungen aufzuarbeiten, zum Beispiel vom Natursteig Sieg. Aber das kommt noch, versprochen!

Rucksack mit Wanderschuhen, Karte und Kompass
Symbolbild

Trommelwirbel!

Der Hauptgrund ist aber ein ganz anderer:
In wenigen Tagen beginnt mein Jakobsweg!
Anfang Mai fliege ich nach Porto, um von dort aus den Caminho Portugues zu starten – 240 km in 13 Tagen Gehzeit sind geplant.
Der Caminho Portugues hat mehrere Varianten:
a) den traditionellen Weg Caminho Portugues Central durchs Landesinnere,
b) die Variante Caminho Portugues da Costa an der Atlantikküste und
c) die Variante Espiritual do Caminho Portugues, ein Abzweig, den man sowohl von der Küste als auch vom Landesinneren aus nehmen kann.
Das Ziel ist natürlich Santiago de Compostela in Galizien.

Normalerweise bin ich nicht sonderlich gut strukturiert (sonst käme ich wohl nie auf die Idee, mitten in der Arbeit für meinen neuen Roman zwei weitere Bücher zu veröffentlichen!) – aber für den Caminho Portugues fühle ich mich gut vorbereitet.
Schon als im vergangenen Herbst die Idee in mir reifte, begann ich, das Internet nach Tipps und Tricks zu durchforsten. Dafür trat ich auch in eine Facebook Gruppe ein, in der es für jede nur denkbare Frage auch kompetente Antworten gibt. Außerdem fand ich dort auch Antworten auf Fragen, die mir niemals in den Sinn gekommen wären (Stichwort Struktur …).

Das Gepäck für den Jakobsweg

Der Rucksack

Mein erster Packversuch zeigte mir, dass mein 32 Liter-Wanderrucksack zu klein für die Unternehmung ist. Es hat zwar alles irgendwie reingepasst, aber für Proviant war dann kein Platz mehr. Also legte ich mir einen 38 Liter-Rucksack zu, der trotz seines größeren Volumens sogar noch leichter ist als mein normaler Wandererrucksack.

Die Schuhe

Ein größeres Problem waren hingegen die Schuhe. Normalerweise laufe ich ausschließlich barfuß oder in Barfußschuhen. Meine Füße haben damit ausreichend Platz und ich kann beim Gehen schön abrollen. Für so eine große Belastung wie den Jakobsweg traue ich mir Barfußschuhe aber nicht zu. Wegen des zusätzlichen Gewichts hätte ich gern Dämpfung im Schuh, außerdem gehe ich im Fersengang, wenn ich müde und erschöpft werde. Und das ist, in Verbindung mit dem Zusatzgewicht, ohne Dämpfung eine Qual für meine Gelenke. Für solche Experimente bin ich einfach nicht mehr jung genug.
Ich habe im Fachgeschäft bestimmt 20 oder mehr Wander- und Trailrunner-Schuhe anprobiert, sowohl für Männer als auch für Frauen. Letztlich gab es nur ein einziges Paar, das mir wirklich gut passt. Das war zwar leider auch mit das teuerste, aber da hätte ich definitiv am falschen Ende gespart.
Meine bisherigen, knöchelhohen Wanderschuhe (übrigens vom gleichen Hersteller) werden mir auf langen Strecken, wenn die Füße anschwellen, im Vorderfußbereich zu eng. Für Strecken unter 20 km oder auf felsigen Untergrund sind sie gut, taugen aber nicht für eine Langstreckenwanderung wie den Jakobsweg.

Die Ausrüstung

Den Rest der Ausrüstung wie Hosen, Merinoshirts, Wandersocken, Sonnenschutz und Stöcke habe ich ohnehin, das musste ich nicht extra kaufen.
Den Flug nach Porto habe ich bereits ein halbes Jahr vorher gebucht, mittlerweile auch die erste und die letzte Nacht in Porto (ich werde von Porto aus auch wieder zurückfliegen).
Der Rest wird sich geben.

Vom Plan, keinen Plan zu haben

Ich werde keine Etappen planen und auch spontan entscheiden, ob ich die Variante da Costa oder Central gehen werde. Auf Gronze.com gibt es ein hervorragendes Unterkunftsverzeichnis und ich werde einfach so lange laufen, wie ich kann und Lust dazu habe. Als einziges Zwischenziel behalte ich im Blick, dass ich spätestens am sechsten Tag die Grenze nach Spanien überschreiten sollte.
Dann wäre auch die Hälfte des Weges geschafft.

Ich bin noch nie geflogen, ich bin noch nie so eine weite Strecke gelaufen und ich war noch nie so lange von meiner Familie getrennt. Außerdem brauche ich regelmäßige »soziale Auszeiten«, also Raum und Ruhe, um mich zurückzuziehen.
Neben der körperlichen und mentalen Anstrengung werden also Übernachtungen in Herbergen und Unterkünften mit Mehrbettzimmern eine der größten Herausforderungen für mich. Ohropax sind eingepackt, die Kopfhörer auch – aber vielleicht gefällt mir ja gerade das Zusammensein mit den anderen Pilgern besonders gut? Wer weiß das schon! :)

Pilgern oder wandern?

Da ich nicht religiös bin (ich bin aus der Kirche ausgetreten) und auch keine Probleme oder Verluste bearbeiten muss, bin ich vielleicht auch gar nicht der typische Pilger. Oder gehöre zumindest nicht zu der Art Pilger, die sich viele Menschen vorstellen.
Aber ich glaube, dass sich insbesondere auf dem Caminho Portugues viele Menschen finden, für die das Wandern, das Abenteuer und das Austesten eigener Grenzen im Vordergrund stehen und die weniger das Spirituelle suchen. Das ist aber auch völlig in Ordnung so!

Ich plane zwar keine regelmäßigen Blogbeiträge, werde hier aber hinterher auf jeden Fall eine Zusammenfassung veröffentlichen. Wer mich auf meinem Jakobsweg virtuell begleiten möchte, kann das am besten bei Instagram: Link zum Profil.
Ich möchte keine täglichen Updates versprechen, sondern lasse auch das auf mich zukommen. Aber so ganz ohne Bilder werde ich meinen Weg wohl nicht gehen.
:)

Bom Caminho – Buen Camino – Ultreia!

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MädelsKramMarkt in Siegen

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Am kommenden Samstag, 13. April 2019, findet in Siegen der nächste MädelsKramMarkt statt – diesmal im Gebäude der ehemaligen Mayerschen Buchhandlung, also mitten in der Innenstadt!

Diesmal bin ich mit einem Bücherstand dabei und werde nicht nur meine Siegerland-Krimis verkaufen, sondern auch Restauflagen von Kurzkrimi-Anthologien sowie jede Menge Nachhaltigkeits-Ratgeber „11 Schritte ins Glück“.

Selbstverständlich signiere ich die Bücher auch, außerdem bin ich für Fragen oder „einfach so“ für euch da.

Und dass in einer Woche Ostern ist, wisst ihr ja, oder?
*lach*
Jedenfalls könnt ihr den ganzen Tag über ganz viel Selbstgemachtes, Eigenkreationen, leckeres Essen, Kreatives und Dekoratives bestaunen und kaufen.
Ich freue mich auf euch!


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Netphener Keltenweg

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@keltenweg

Der Keltenweg bei Netphen


An einem der letzten heißen Tage im ewigwährenden Sommer 2018 habe ich mir den Netphener Keltenweg vorgenommen.
Der Weg ist 15,1 km lang und bekommt in meinem Wanderführer 3,5 von 4 Punkten für den Anspruch – was ich im Nachhinein genauso bewerten würde.

Parkplatz Leimbachtal

Mein Startpunkt war der Wanderparkplatz im Leimbachtal, kurz hinter Netphen an der B 62. Die Muskulatur konnte ich direkt mit einem kurzen Anstieg aufwärmen, dafür hatte ich einen schönen Blick über das Leimbachtal im Oktobernebel.
Entlang des gut ausgeschilderten Weges erzählen immer wieder Tafeln vom Leben einer fiktiven Keltenfamilie, gezeichnet von Matthias Kringe, der auch die berühmten Dilldappen erschuf.
Wie im Siegerland üblich, führt der Weg auf breiten Pfaden durch die Wälder und ab und an erwischt man tolle Ausblicke.

Mein Frühstück nahm ich nach dreieinhalb Kilometern an einer Keltentafel ein – und wie man sieht, kommt man von hier aus auch nach Santiago de Compostela und Avalon … ;)
Nach einem weiteren kurzen Anstieg und einer ungeplanten Extrarunde ging es erstmal wieder mehr als zwei Kilometer bergab nach Afholderbach. Dort lohnt sich eine Verschnaufpause, denn der Weg auf die Alte Burg hat es in sich. Fast 300 Höhenmeter wollen überwunden werden, meist auf breiten befestigten Wegen, später dann auf schmalen Pfaden durch den Wald.

 

Alte Burg

Auf der Kuppe des Berges (633 m) befindet sich eine alte keltische Wallanlage (aus der La-Tène-Zeit, etwa 500 v. Chr.); zwei Wälle sind deutlich sichtbar und müssen überwunden werden, um das Plateau mit einem wunderschönen Buchenwald zu erreichen. Dieser war im Herbst besonders hübsch, allerdings finden sich dort viele unschöne Zivilisationsspuren: Beinahe jede Buche wurde eingeritzt, was ich sehr schade finde.
Nach kurzer Verschnaufpause ging es in Richtung Eschenbach bergab. Etwas abseits des Weges gibt es einen wunderschönen Aussichtspunkt auf die Obernau-Talsperre, die wegen des trockenen Sommers sehr wenig Wasser führte. Im weiteren Verlauf öffnete sich der Wald und überraschte mich mit einem grandiosen Panoramablick auf die Talsperre und das umgebende Netpher Land. Ich ärgerte mich maßlos, dass ich ausgerechnet an diesem Tag das Fernglas vergessen hatte und dass ich nur Handyfotos machen kann, denn der Bereich unterhalb der Alten Burg ist prädestiniert für tolle Panorama-Bilder.

Schöne Geste

Ein paar Meter weiter musste ich dann vor lauter Glück laut loslachen: Am Weg stand eine Ruhebank, ausgestattet mit Gästebuch, Pflastern, Taschentüchern, Bonbons zur Stärkung, einem Gästebuch – und einem Fernglas!
Sollte der mir unbekannte »Bankspender« irgendwann mal auf dieser Seite landen: Herzlichen Dank für diese tolle Geste, sie macht diesen Ort zu etwas ganz Besonderem!
Der Abstieg nach Eschenbach war danach ein Kinderspiel, und der Weg zurück zum Parkplatz führte mittels Treppe sogar über eine Kuhweide – in den Alpen üblich, hier im Siegerland eher ungewöhnlich.

Fazit

Für mich war es bisher der anstrengendste Wanderhöhepunkt entlang des Rothaarsteigs, aber die Ruhe des Buchenwaldes auf der Alten Burg sowie die teilweise grandiosen Ausblicke auf das Netpher Land sind die Anstrengung definitiv wert.

 

Mehr Wanderhöhepunkte

Kindelsbergpfad
Historischer Rundweg Achenbach
Elisabethpfad von Siegen nach Hainchen
Jakobsweg von Siegen nach Krottorf
Die Wisent-Wildnis in Wittgenstein

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Der Herzhäuser Panoramaweg

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Der Panoramaweg in Netphen-Herzhausen ist noch relativ neu, er wurde erst im August 2018 eingeweiht.
Der Rundweg ist etwa 9,3 km lang und führt in großen Schleifen um das Dorf am Fuße des Rothaargebirges herum.
Parken kann man am Gemeindezentrum bei der Feuerwehr, hundert Meter entfernt liegt der offizielle Startpunkt.

Um Herzhausen herum

Gleich zu Beginn verlässt man den Ort mit einer zu erwartenden kleinen Steigung. Die Beschilderung des Weges ist insgesamt gut; es gab zwei Stellen, an denen ich unsicher war – das kann aber auch am Schnee gelegen haben. Und davon hatte ich glücklicherweise reichlich, noch dazu strahlenden Sonnenschein.
Der Weg führt in Kurven und Schleifen um Herzhausen herum, an manchen Stellen streift er auch den Unglinghäuser Rundweg. An der großen Hütewiese an der Straße Richtung Unglinghausen informiert ein Schild über die Herzhäuser Hute. Noch bis in die 1970er Jahre hinein wurden die Kühe des Dorfes auf der großen Weide gehütet und abends wieder zu den Bauern zurückgebracht.

Gondach, Dilldappe!

 Dilldappe von M. Kringe am Ortseingang

Nach etwas mehr als der Hälfte erreicht man die Hauptstraße im Dorf und könnte notfalls an dieser Stelle abbrechen. Ich bin natürlich weitergegangen, habe den Dilldappen am Ortsausgang (oder -eingang) mit einem gemurmelten »Gondach« begrüßt und bin den Mannsberg hinaufgegangen. Von dort kann man immer wieder auf die erste Hälfte des Rundweges blicken und schöne Perspektivwechsel einnehmen.
Folgt man dem Weg weiter durch das Dirlenbachtal, erreicht man das Wildgehege mit aufmerksamen Tieren, umrundet es einmal und geht auf der anderen Uferseite weiter in Richtung Ortsmitte.
Nach etwa zwei bis zweieinhalb Stunden erreicht man den Ausgangspunkt.

Fazit

Ein kleiner, aber sehr schöner Rundweg, der wirklich viele Panoramen über das Dreisbachtal bis ins Rothaargebirge bietet. An vielen Stellen stehen Bänke oder Ruhebänke, die ich wegen des Schnees aber ausgelassen habe. Der Weg ist abwechslungsreich, führt nur kurze Strecken durch den Wald und besteht größtenteils aus befestigten Wegen.

 

Noch mehr Wanderhöhepunkte

Der Kindelsbergpfad
Die Wisent-Wildnis Wittgenstein
Historischer Rundweg Achenbach
Rund um den Wellersberg
Pilgerwege im Siegerland
Der Elisabethpfad von Köln nach Marburg

 

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Neues vom Schreibtisch

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Vom unspektakulären Romanschreiben …


Bei der oberflächlichen Durchsicht meines Blogs könnte man den Eindruck bekommen, ich ginge nur wandern …
Auch wenn es toll wäre, fürs Wandern Geld zu bekommen, täuschen meine Beiträge aber nur über das manchmal recht ereignislose Romanschreiben hinweg.
Doch, ehrlich: Meistens ist es ziemlich unspektakulär.
Ich sitze mit einer Tasse Kaffee (Apropos Tasse – ach nee, das erzähle ich später noch) und eingestöpselten Ohrhörern vor meinem Laptop und lese entweder das bisher Geschriebene oder verfasse Neues. Häufig lösche ich einzelne Wörter, Sätze oder Passagen oder ich feile daran herum, bis sie besser klingen.
Manchmal muss ich nachrecherchieren oder Fragen notieren, auf die ich später eine Antwort suche.

… und den anderen Tagen

Ja, und dann – dann gibt es noch die anderen Tage.
Schreibtage, an denen es nur so flutscht, an denen mir die Geschichte aus den Fingern fließt und ich mit dem Schreiben kaum hinterherkomme (und das, obwohl ich das Zehn-Finger-System beherrsche!).
Das sind die tollen Momente. Dann wird mein Kaffee kalt und ich merke gar nicht, dass aus den Ohrhörern gar keine Musik mehr kommt, dass das Feuer im Kamin ausgegangen ist und mein Magen schon vernehmlich knurrt. Dann übererfülle ich mein Wortsoll und fühle mich nach ein paar Stunden ausgelaugt, aber glücklich.

Die Siegerland-Krimis-Tasse

Die Siegerland-Krimis-Tasse

Und irgendwo dazwischen sind dann die Tage und Momente, die ich für all die Dinge aufwenden muss, die nichts unmittelbar mit dem Schreiben zu tun haben.
Wenn ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter und Instagram (und neu: Pinterest!) verbringe. Wenn ich Rechnungen schreibe, Termine koordiniere oder mich einfach mit Kolleginnen und Kollegen austausche.
An diesen Tagen designe ich zum Beispiel Tassen, so wie diese auf dem Bild.
Schön schlicht, oder?
Ich habe sie für anstehende Gewinnspiele bestellt, aber auch für die tollen Unterstützer dieses Blogs (auf meiner Steady-Seite – du kannst gerne mal vorbeischauen!).

Buchsatz für 11 Schritte ins Glück

Im vergangenen Jahr habe ich mich in die Kunst des Buchsatzes eingearbeitet.
Das war sehr frickelig, hat mir aber erstaunlich viel Spaß gemacht. Und ich habe erstmals verstanden, welch große Rolle der Buchsatz für das Lesevergnügen bereitet.

Der Probedruck

Der Buchsatz ist ein bisschen mit der Raumtemperatur oder der idealen Beleuchtung zu vergleichen: Wenn sie passt, fühlt man sich wohl, ohne dass man genau sagen könnte, woran es liegt. Man bemerkt es meist erst dann, wenn irgendwas nicht stimmt. Zu heiß, zu kalt, zu hell, zu dunkel. Oder schwierig zu lesen, zu viel Text auf der Seite, zu geringe Abstände, unpassende Schriftart oder -größe.
Aktuell setze ich gerade meinen Nachhaltigkeits-Ratgeber „11 Schritte ins Glück„.
Vor ein paar Tagen kam der Probedruck und ich habe noch einzelne Punkte gefunden, die nicht ganz optimal sind. Also werde ich bis Ende der Woche noch an Satz und Cover feilen, und dann geht es ab in die Druckerei – und damit dann hoffentlich auch bald zu euch!
Spätestens Ende Februar dürfte das – überarbeitete und aktualisierte – Taschenbuch dann im Handel (und bei mir) erhältlich sein.

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Der Kindelsbergpfad

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Herzlich willkommen im neuen Jahr!


Während es in meinem Lieblings-Wandergebiet, den Alpen, ordentlich geschneit hat, müssen wir hier im Siegerland mit Regen und grauem Nebel ausdauern.
Für Januar und Februar habe ich einen neuen Schreibplan ausgeheckt: Immer, wenn ich mein Wochensoll erreiche oder überschreite, belohne ich mich mit einer Wanderung. In der ersten Januarwoche habe ich mir deshalb endlich den Kindelsbergpfad vorgenommen. Den hatte ich schon lange in Planung, aber es ist natürlich zeitlich immer schwierig, eine mehrstündige Wanderung unterzubringen.
Der Kindelsbergpfad ist 14,6 km lang und beinhaltet durchaus ein paar Höhenmeter. Mehr jedenfalls, als die meisten anderen Wanderhöhepunkte entlang des Rothaarsteigs.

Startpunkt Loher Tal

Meine Runde begann ich in Kredenbach in der Nähe des Loher Tals. Die Weiher waren mit einer leichten Eisdecke überzogen und Reste von harschigem Schnee lagen auf und zwischen den Bäumen. Der Boden war leider ziemlich matschig und deshalb nicht ganz einfach zu gehen. Ich war froh, meine Stöcke dabei zu haben.
Außerdem testete ich auf dieser Runde erstmals mein neues Trinksystem. Irgendwann im Sommer habe ich von Trinkflaschen zu einer Wasserblase gewechselt. Das hat den Vorteil, dass ich mehr trinke, weil ich nicht mehr anhalten muss. Dank Trinkschlauch kann ich eigentlich die ganze Zeit kleine Schlucke trinken, was definitiv gut ist. Da aber das Ventil nicht richtig dicht ist und ständig Wasser heraustropft, habe ich mir ein neues System zugelegt. Den Adapter kann ich auf die meisten handelsüblichen Trinkflaschen schrauben und das Ventil ist dicht. Was will man mehr!

Nach Müsen

Vom Loher Tal aus ging es durch den Wald leicht ansteigend in Richtung Müsen. An diesem Tag war es ziemlich neblig und die erhoffte Fernsicht blieb aus, aber die Strecke bietet auch so genügend zum Schauen. So entdeckte ich ganz unerwartet einen aktiven Springbrunnen kurz vor Müsen im Brombachtal. Etwa einen Kilometer vorher sollte eigentlich ein Stollenmundloch in der Nähe des Weges liegen (Grube Brüche), aber irgendwie habe ich es nicht entdeckt. Zugegeben: Richtig gesucht habe ich nicht. Die Geschichte des Siegerländer Bergbaus war eine Zeitlang ein Hobby von mir und ich habe schon wirklich viele Stolleneingänge gesehen. Da spielt einer mehr oder weniger für mich keine Rolle mehr.
In Müsen erwartete mich dann eine Überraschung: An einer exponierten Stelle am Waldrand stand eine Leseinsel – eine Metallbank mit integriertem Staufach, in dem nicht nur einige (Kinder-)Bücher lagen, sondern auch warme und gemütliche Sitzkissen. Eigentlich war mir noch gar nicht nach einer Pause zumute, aber der Platz war dermaßen einladend, dass ich kurzerhand mein Frühstück vorverlegte und mich bei der Gelegenheit auch gleich im Gästebuch verewigte. Eine sehr schöne Idee!

Frisch gestärkt ging es dann an den Aufstieg über die Martinshardt zum Kindelsberg. Doch zuerst kam ich an diesem schönen Kleinod vorbei. Ich weiß nicht, wer dieses kleine Heim gebaut hat, aber es hat mich wirklich erfreut. Und ich hoffe sehr, dass nicht irgendwelche Vandalen kommen und es zerstören.

 

Das Müsener Revier

Der Aufstieg zur Martinshardt ist nicht ohne und ich war froh um meine Wanderstöcke, die meine Knie doch merklich entlasteten. Außerdem wurde der Schnee umso dichter, je höher ich stieg.
Der Weg ist gespickt mit alten Bergbau-Relikten wie Stollenmundlöcher, Pingen und Halden sowie vielen Hinweisschildern.
Man passiert das Grubengelände Wilder Mann und die Müsener Klippen (ein Pingenfeld des Stahlberger Stocks) und auch auf dem Weg talwärts streift man mehrere Gruben. Das Müsener Revier gehörte zu den bedeutendsten des Siegerländer Erzbergbaus, die Grube Stahlberg wurde 1311 erstmals erwähnt und war bis 1931 in Betrieb. Auch heute erinnert in Müsen noch viel an die Zeit des Bergbaus, das Stahlbergmuseum nebst Besucherstollen ist ein Highlight für die ganze Familie.

Gipfelfeeling

Der Weg hinauf zur Martinshardt (616 m) wird zwar teilweise steil, ist aber gut zu gehen. Auf der Martinshardt erwartete mich sogar ein Gipfelkreuz! Vom zugehörigen Gipfelbuch habe ich leider erst hinterher gelesen, sonst hätte ich mich selbstverständlich eingetragen.
Bis zum Kindelsbergturm (617 m) ging es erst ein Stückchen bergab, um dann noch einmal steil bergauf zu gehen. Unterwegs kam ich an dem Parkplatz vorbei, an dem Natascha und Simon aus »Knochenfinder« ihren ersten Geocache machen. Erinnert ihr euch?
Doch diesmal war der Parkplatz verwaist, denn der Nebel wurde zunehmend dichter und lud nicht unbedingt zum Spazierengehen ein.
Auf dem Kindelsberg kehrte ich im gleichnamigen Restaurant ein und gönnte mir einen schönen heißen Kaffee, bevor ich mich an den Abstieg machte. Leider war es dank Nebel nichts mit dem Fernblick, ich ahne aber, dass der an schönen Tagen von dort oben aus sehr beeindruckend sein muss. Also werde ich zumindest dieses Teilstück noch einmal im Frühjahr oder Sommer erwandern.
Die Schneemenge auf dem Kindelsberg war im Vergleich zum Tal beachtlich, nahm aber mit jedem Höhenmeter ab. Als ich nach etwas mehr als einer Stunde wieder in Kredenbach ankam, war es nur noch nass und matschig.

Mein Fazit

Der Kindelsbergpfad ist ein sehr abwechslungsreicher Rundweg, der ein bisschen Trittfestigkeit und Kondition erfordert und an vielen Relikten der Bergbauzeit vorbeiführt. Wer noch nicht so viel über den Siegerländer Erzbergbau weiß, kann sich auf dieser Strecke ein gutes Bild machen und erfährt auch einige historische Fakten. Praktischerweise liegt der Kindelsberg als höchste Stelle in der Mitte des Rundwegs und man kann ganz prima im Restaurant einkehren.

Lust auf weitere Wanderhöhepunkte?

Der Elisabethpfad von Siegen nach Hainchen
Der Jakobsweg von Siegen nach Krottorf
Der historische Rundweg Achenbach
Die Wisent-Wildnis in Wittgenstein
Rund um den Wellersberg und die Panzerwiese

 

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Fotografischer Jahresrückblick

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Bevor ich endlich meinen Jahresrückblick online stellen kann (der hier immer noch angefangen herumliegt, für den ich aber aktuell zu wenig Zeit finde), kann ich euch immerhin schon mal zeigen, wie es bei mir auf Instagram aussieht:

Das sind die neun Beiträge mit den meisten Likes.
Ihr seht schon, in welche Richtung es geht: Natur und Wandern.
Wer mir noch folgen möchte: Melanie.Lahmer_Siegenkrimi – ich freue mich immer über neue Follower!
:)

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