Pilgern im Siegerland – Der Elisabethpfad

Es gibt insgesamt drei Elisabethpfade, die zur berühmten Elisabethkirche in Marburg führen:
von Frankfurt nach Marburg, von Eisenach nach Marburg und von Köln nach Marburg.

Unteres Schloss, derzeit Großbaustelle

Der Elisabethpfad von Köln nach Marburg führt mitten durch Siegen; die roten Aufkleber hat sicherlich jeder aufmerksame Stadtbesucher schon mal gesehen.
Geht man den Elisabethpfad in umgekehrte Richtung, also von Marburg nach Köln, so ist der Teil des Wegenetzes der europäischen Jakobswege, die nach Santiago de Compostela in Spanien führen.

Hier habe ich bereits die vierte Etappe des Pilgerweges von Siegen über Freudenberg bis zum Wasserschloss Crottorf beschrieben. Ende September nahm ich mir die fünfte Etappe des Elisabethpfades vor, die von Siegen über Niederdielfen bis Irmgarteichen beziehungsweise zur Wasserburg Hainchen führt.

Der Elisabethpfad

Der Elisabethpfad führt überwiegend über breite Wald- oder Schotterwege und hat die für die Region typischen Auf- und Abstiege. Er ist auch für ungeübte Wanderer gut zu gehen, ordentliche Kondition vorausgesetzt.
Meine bisherigen Erfahrungen mit den Beschilderungen der Wanderwege in Siegerland, Wittgenstein und Sauerland sind wirklich gut: Man findet sich auch ohne großartiges Kartenmaterial zurecht, und je näher man dem Rothaarsteig kommt, umso besser wird die Beschilderung. Die hiesigen Wanderwege werden von den jeweiligen Wandervereinen in der Regel gut gepflegt, sodass man jederzeit eine spontane Tour unternehmen kann.

Museum für Gegenwartskunst, früher Postamt

Die teilweise schlechte Markierung ist der größte Negativpunkt am Elisabethpfad beziehungsweise dem Pilgerweg. Auf beiden Wegen habe ich mich wegen fehlender Ausschilderung mehrfach verlaufen und war kurz vorm Aufgeben, zumal mir auch die Spaziergänger, Dorfbewohner oder Wanderer nicht weiterhelfen konnten. Die Wegbeschreibung meines Wanderführers stimmte an manchen Stellen nicht mit dem Wegeverlauf überein, außerhalb der Ortschaften fehlt die Beschilderung teilweise komplett. Beim zweiten Mal hatte ich schon doppeltes Kartenmaterial dabei und habe trotzdem drei Mal den Weg verloren, ohne es rechtzeitig zu bemerken. Das brachte mir einige Zusatzkilometer ein; an manchen Stellen half mir nur meine Ortskenntnis weiter.
Ich nehme an, dass für die Pilgerwege niemand vor Ort wirklich verantwortlich ist und es deshalb umso schwieriger wird, je weiter die nächste Ortschaft entfernt ist – also gerade dann, wenn man die Markierungen am ehesten benötigt.

Ein weiterer Negativpunkt ist die Streckenführung an sich. Sowohl Elisabethpfad als auch Pilgerweg führen häufig neben oder zumindest in der Nähe von großen Straßen entlang. Das liegt in der Natur der Sache, denn die Pilger waren damals auf alten Handelswegen unterwegs, die sich teilweise im Laufe der Zeit zu Hauptwegen entwickelt haben. Diesen Umstand sollte man in seine Überlegungen mit einbeziehen, wenn man eine längere Pilgerreise plant.

Siegen bis Eremitage

Gnadenkapelle auf der Eremitage

Die Eremitage ist eine Wallfahrtsanlage direkt an der B 54 zwischen Siegen und Wilnsdorf. Im Jahr 1684 ließen Jesuitische Brüder an dieser Stelle die auch heute noch gut erhaltene Gnadenkapelle errichten.
1703 fand Erbprinz Franz Josef von Nassau-Siegen, Sohn des für seinen Jähzorn bekannten Fürsten Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen, dort seine letzte Ruhestätte. In der Neuzeit wurde die Klosteranlage viele Jahre vom Klarissenorden genutzt, mittlerweile befindet sich das Hospiz des Siegener Marienkrankenhauses und der Diakonie an dem Wallfahrtsort. Auch der Siegener Kreuzweg befindet sich auf dem Gelände der Eremitage.

 

 

 

Oberes Schloss

Startpunkt meiner Wanderung war der Siegener Bahnhof. Von dort aus ging es quer durch die Oberstadt, vorbei an der Martinikirche, dem Unteren Schloss, über den Marktplatz mit der Nikolaikirche und dem Krönchen hinauf zum Oberen Schloss. Es lohnt sich, auch wirklich den Pilgerspuren durch die Oberstadt zu folgen. Auch wenn mir die Gebäude natürlich alle bekannt sind, habe ich sie diesmal mit anderen Augen gesehen und dabei auch Details wahrgenommen, die mir vorher entgangen sind.

Durch den Schlosspark geht es den Brüderweg hinab in den Stadtteil Hain, nur um dann auf sehr steilem Weg hinauf zum Lindenberg zu führen. Dieser Anstieg erfordert tatsächlich ein wenig Fitness, aber man kann sich natürlich auch Zeit lassen. Der Weg führt an der Nordseite des Lindenbergs entlang, auf Höhe des Sportplatzes muss man die Bundesstraße überqueren und läuft dann bis zur Eremitage auf breiten Waldwegen neben der B 54 entlang.

Eremitage bis Irmgarteichen

Wassermühle bei Niederdielfen

Von der Eremitage geht es hinunter ins Tal der Weiß nach Niederdielfen.
Mitten im Wohngebiet kam mir ganz überraschend ein Pilger entgegen! Im Gegensatz zu mir trug er einen großen Holzstab, und als er mich freundlich grüßte, sprach ich ihn einfach an und wir kamen ins Gespräch. Der Pilger kam aus der Schweiz und startete seine Pilgerreise zwei Tage zuvor in Marburg. Sein Ziel war Siegen, von wo aus er wieder nach Hause fahren wollte. Wir tauschten uns kurz über den Weg aus und er warnte mich vorab, dass die Beschilderung bei Anzhausen schwierig sei. Da ich mich vor unserer Begegnung ebenfalls schon drei Mal über die Beschilderung geärgert hatte, nannte ich ihm die kritischen Stellen auf dem Weg nach Siegen. Wir wünschten einander noch einen guten Weg, und ich ging durch Niederdielfen – nur, um mich am anderen Ende des Ortes zum zweiten Mal richtig zu verlaufen.

Vorsicht ist also an der alten Wassermühle in Niederdielfen geboten: Man muss hier sehr genau schauen, um den Weg nicht zu verlieren (mir ist es nicht gelungen). Nun ging es weiter nach Flammersbach und Anzhausen, ich hatte wunderbaren Sonnenschein und bestes Wanderwetter, und so nahm ich meine Irrwege mit Gelassenheit und ein paar zusätzlichen Höhenmetern.
Bis ich die Rudersdorfer Höhe erreichte.

Symbolbild

Der gelbe Pfeil wies in die falsche Richtung, die Wegbeschreibung in meinem Pilgerführer war missverständlich und da alle umliegenden Orte in irgendeiner Senke lagen, fiel mir die Orientierung schwer. Auch meine Zweitkarte half nicht weiter. Der von mir befragte Hundebesitzer wusste nur, dass Irmgarteichen weit weg ist, aber nicht, in welcher Richtung. Genervt ging ich wieder zurück zur Kreuzung. Dem vorherigen falschen gelben Pfeil zum Trotz entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen der roten Elisabethpfad-Aufkleber. Leider verriet der Aufkleber nicht, welche der beiden Abzweigen ich denn nehmen musste. Zu allem Überfluss herrschte wegen einer Vollsperrung irgendwo ein unglaublicher Autoverkehr auf den Feldwegen. Also hielt ich eine Autofahrerin an, um sie nach dem Weg nach Irmgarteichen zu fragen. Leider kannte sie nur den Schleichweg fürs Auto, während sich hinter ihr eine lange Schlange bildete. Ich stand also, umfahren von unzähligen Autos, auf einem unbeschilderten Feldweg und hatte keine Ahnung, wohin ich gehen musste.
Ich bin übrigens die Frau mit dem blauen Rucksack, die den gelben Wanderführer mit Schmackes auf die Wiese warf. Nur, falls mich jemand gesehen hat … 😉

Meine letzte Hoffnung war eine weitere Hundebesitzerin – die aber auch nur ihrem Stammweg kannte, mir mithilfe meiner Karte aber immerhin aufzeigen konnte, in welcher Himmelsrichtung sich Irmgarteichen befand. Da nun sowieso alles egal war und ich selbst nach einem Abbruch irgendwo hingehen musste, stapfte ich einfach in den Wald, möglichst weit weg von den Autos. Zweimal entschied ich an Waldkreuzungen per gedanklichem Münzwurf, bis ich endlich meine gelben Pfeile entdeckte. Irgendwie war es mir doch noch gelungen, nach Irmgarteichen zu finden. Hoffentlich war es dem Schweizer Pilger an dieser Stelle besser ergangen als mir!

Irmgarteichen bis Wasserburg Hainchen

Irmgarteichen ist ein 800-Seelen-Dorf in unmittelbarer Nähe zum Rothaarsteig. Es gibt Gastronomie, viele Wanderwege und Hinweisschilder, und nach der ganzen Verlauferei des Tages fühlte ich mich irgendwie willkommen. Ich machte einen kleinen Abstecher zum Dilldappen-Wanderweg, ehe ich die letzten Kilometer zum Wasserschloss Hainchen absolvierte.
Nach 22 km auf und ab hatte ich mir das gekühlte Radler redlich verdient, bevor ich mit dem Bus nach Hause fuhr.

Wasserburg Hainchen

Die Wasserburg Hainchen wurde 1290 erstmals erwähnt. In den fast 730 Jahren ihrer Geschichte wechselte sie mehrmals Besitzer, Bedeutung und Bestimmung. Im 19. Jahrhundert ging die Wasserburg in preußischen Staatsbesitz und verfiel allmählich. Seit den 1970er Jahren befindet sich die Burg in Trägerschaft des Siegerländer Burgenvereins, der die Gebäude und die Anlage umfassend renovierte. Mittlerweile dient die Wasserburg Hainchen der Erholung behinderter und pflegebedürftiger Menschen. In der benachbarten Remise können private Feiern ausgerichtet werden.

Mein Fazit

Dilldappe von Matthias Kringe

Der Elisabethpfad von Siegen nach Hainchen ist ein schöner Ausflug in die Geschichte des Siegerlandes. Die Beschilderung lässt teilweise sehr zu wünschen übrig und man braucht Ortskenntnis oder unterschiedliches Kartenmaterial, um sich nicht zu verlaufen. Wanderer mit normaler Kondition können den Weg gut gehen und man streift immer wieder Orte, in denen man die Tour abbrechen kann.
Getreu dem Motto: »Der Weg ist das Ziel« kann man eine schöne Tageswanderung unternehmen und am Ende die Infrastruktur des Rothaarsteigs nutzen.

 

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