Rund um den Wellersberg und die Panzerwiese

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Meine zweite Genesungswanderung führte mich rund um den Wellersberg.

Als ich am Morgen aufwachte, lag schöner frischer Schnee über der Landschaft. Da für den nächsten Tag schon wieder Tauwetter angesagt war, wollte ich diese Gelegenheit nutzen, um noch mal ein bisschen Winterfeeling abzubekommen. Dieser Winter ist irgendwie gar kein richtiger Winter, finde ich. Dabei liebe ich Schnee wirklich sehr!

Die Panzerwiese

Startpunkt war der Wanderparkplatz oberhalb der Kinderklinik.
Von dort aus führen viele längere und kürzere Wege rund um den Wellersberg. Da man von dort oben einen schönen Blick auf Siegen und Weidenau hat, ist es ein beliebter Tummelplatz für Hundebesitzer, Jogger und andere Sportler.
Die Kuppe des Wellersberges ist als Panzerwiese bekannt, weil sich dort oben der Truppenübungsplatz der belgischen Garnison befand. Noch heute findet man dort viele Spuren und Hinweise auf die militärische Vergangenheit. Der Hauptweg, der vom Parkplatz bis zum nahe gelegenen Wald führt, besteht teilweise aus Asphalt, teilweise aber auch aus alten Betonplatten. Von Maschendraht umzäunt sind noch die alten Munitionsdepots zu erkennen: Flache, hinter Erdwällen verborgene Langhäuser. Mittlerweile befindet sich dort ein Hundeverein.
Ich finde die Geschichte der Panzerwiese und der belgischen Garnison in Siegen so spannend, dass ich einen eigenen Blogbeitrag darüber schreiben werde. Dafür muss ich aber noch ein bisschen recherchieren. Heute soll es außerdem nur um meine kleine Wanderung rund um den Wellersberg gehen.

Der Historische Tiergarten

IMG_20180122_100619Von der Panzerwiese aus gelangt man beinahe automatisch in den Historischen Tiergarten – genau genommen ist sie sogar ein Teil davon. Die etwa 100 ha große Anlage wurde im 17. Jahrhundert von Fürst Johann Moritz zu Nassau-Siegen angelegt. Er diente zur Jagd und der Zerstreuung. Auf diese Zeit gehen auch die meisten der heute noch bestehenden Wege zurück. In den letzten Jahren hat die Stadt Siegen den Wert dieses Geländes entdeckt und als Naherholungsgebiet attraktiv gemacht. Dazu gehören unter anderem ein Waldlehrpfad und ein Pilzlehrpfad, Ruhebänke und verschiedene Spielstationen für Kinder. Auch Kunstobjekte kann man dort finden.

Mir war der Rundgang durch den Historischen Tiergarten allerdings zu kurz, weshalb ich vom Hauptweg der Panzerwiese hinunter zum Hermelsbacher Friedhof ging. Dort kann man sich gut im Tal des Hermelsbaches aufhalten. Ein Teil des Weges gehört noch zum Historischen Tiergarten und ist deshalb gut ausgeschildert. Mehrere Hinweistafeln verweisen auf Besonderheiten des Waldes. Der Weg steigt dann an und führt in Richtung Trupbacher Heide, ich habe aber eine steile Wende genommen und bin dann in Richtung Tiergehege gegangen. Dabei kam ich am Hirschsprung und einem der schönen Kunstprojekte vorbei. Wegen des Sturms Friederike war ein Teil des Weges gesperrt, sodass ich wieder umkehren und rund um das Tiergehege laufen musste. So verließ ich am Studentenwohnheim, das früher ein Altenheim beherbergt hat, für kurze Zeit den Wald. Da ich so auch automatisch wieder ein Stückchen Richtung Tal ging, verlor sich der Schnee dann völlig im Matsch, und es regnete.

 

Der Historische Friedhof

IMG_20180122_110842Es dauerte nicht lange, und ich kam wieder oben an den Munitionshäusern an. Da ich aber trotz des Wetters noch ein wenig laufen wollte, ging ich erneut hinunter zum Hermelsbacher Friedhof. Dort ging ich dann nach links und mehrere Meter am Friedhofszaun entlang. Diesen Weg kannte ich noch nicht, wusste aber, dass ich im Wohngebiet am Wellersberg herauskommen werde.

Was ich aber nicht ahnte:
Dieser Weg führte mich zu einem schönen Kleinod, das ich ohne diesen Umweg vermutlich nie entdeckt hätte. Es handelt sich um ein alten Friedhof aus dem 19. Jahrhundert, der zur ehemaligen Hüttensiedlung Buschgotthardshütten gehörte. Buschgotthardhütten war ein Teil von Weidenau, das aber im Zuge des Baus der Hüttentalstraße (HTS), der Stadtautobahn, abgerissen wurde. Viele Menschen trauern diesem kleinen Stadtteil heute noch nach, was ich verstehen kann, wenn ich mir die alten Bilder anschaue. Einige der alten Fachwerkhäuser sollen abgebaut und zwischengelagert worden sein, eines davon steht wohl im Lippischen Landesmuseum in Detmold. Ein weiteres Gebäude wurde neben der Ginsburg bei Hilchenbach aufgebaut, zumindest Teile des Ursprungsgebäudes wurden dafür verwendet.

 

IMG_20180122_111143Dieser alte Friedhof lag bis 2013 unter Gestrüpp verborgen und war kaum jemandem bekannt. Auf Initiative einiger Privatpersonen wurde der Friedhof dann freigelegt und so natürlich wie möglich erhalten. Als Besonderheit sind die vielen Kindergräber anzusehen, denn auf vielen alten Friedhöfen sind die Gräber der Kinder längst verschwunden. Seit 2013 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Der Friedhof gefällt mir so gut, dass ich ihn noch mehrmals besuchen werde, um auch Fotos bei schönem Wetter und mit mehr Grün zu machen.

Im Schneematsch

Hinter dem Friedhof ging es dann noch ein Stück in den Wald und von dort aus in Richtung Kinderklinik, wo mein Auto stand. Diese Runde war etwa 7 km lang, und als ich beim Auto ankam, war vom Schnee schon nichts mehr zu sehen. Alles war geschmolzen, die Erde hatte sich in einen schlammigen Untergrund verwandelt, und Jogger und Hundebesitzer waren im Nebel nur als Schemen zu erkennen.

Die Runde war ganz nett, barg aber natürlich nur wenig Neues für mich, weil sowohl Panzerwiese als auch Historischer Tiergarten stadtbekannt sind und ich schon mehrmals dort oben war. Dennoch freue ich mich, dass ich den alten Friedhof entdeckt habe!

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