Die Skriva Autorentagung in Köln

Autorinnen-Glück

Neulich hatte ich – endlich mal! – grandioses Losglück.
In Köln fand erstmals die Skriva: Autorentagung statt, und ich schlawenzelte auch eine Weile um das Anmeldeformular herum, weil die Vorträge und Workshops einfach super klangen. Da ich aber in diesem Jahr relativ viel unterwegs war und sein werde, habe ich mich letztlich doch gegen eine Teilnahme entschieden.
Allerdings wurde ein paar Tage vor der Veranstaltung ein Platz verlost, weil die vorherige Gewinnerin doch nicht teilnehmen konnte. Da musste ich natürlich nicht lange überlegen – und wurde prompt ein paar Tage später ausgelost.
Hurra!

Von Pferden und Katzen

Die Runde war gut 40 Personen stark, und zu meiner großen Freude traf ich einige Kolleginnen wieder, die ich schon sehr lange nicht gesehen habe – zum Beispiel Sabina Altermatt aus Zürich, die mir in meiner Anfangszeit eine sehr hilfreiche Mentorin war.
Der Samstag bot mit insgesamt fünf Vorträgen ein spannendes Programm:

Schauspielerin und Krimiautorin Isabella Archan zeigte uns gleich zu Beginn der Veranstaltung Übungen, um sowohl die Stimme als auch die Körperhaltung zu stärken.
Anfangs etwas gehemmt, später deutlich gelöst, atmeten wir in unsere Hüften, knurrten unser Gegenüber an und gaben unziemliche Schnarchgeräusche von uns, bevor wir mit Stechmückenlauten und Pferdeschnauben sowohl Lippen als auch Stimmbänder lockerten.
Ich hoffe noch immer, dass niemand heimlich gefilmt hat.
Außerdem hatte sie hilfreiche Tipps für Lesungen – ich wusste beispielsweise nicht, dass kaltes Wasser Gift für angewärmte Stimmbänder ist. Es ist zwar logisch, ich habe aber nie darüber nachgedacht.
Auch gegen Aufregung gibt es allerlei Tricks, wie etwa die „Merkelraute“ oder das Stehen auf einem Bein. Von Lampenfieber vor Lesungen blieb ich bisher verschont, aber solche Tricks kann man ja auch in anderen Situationen anwenden.

Mitorganisatorin Elke Pistor ist nicht nur bekennender Katzen-Fan, sie weiß auch, wie man Blake Snyders „Rette die Katze“ anwendet. Drehbuchautor Blake Snyder hat aus dem in der Plotentwicklung bewährten Drei-Akt-Modell und der klassischen Heldenreise ein neues Handwerkszeug entwickelt: Save the Cat.
Details würden jetzt zu weit führen, ich hatte allerdings einige Aha-Momente, die mir definitiv beim aktuellen Krimi-Projekt weiterhelfen werden.
Zum besseren Verständnis haben wir dabei Passagen von „Zurück in die Zukunft“ geschaut. Ich bin ja immer wieder fasziniert, wie leicht man die meisten Hollywood-Filme, aber natürlich auch Romane, auf die Plot-Modelle herunterbrechen kann. Daraus resultiert sicher auch der Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen, selbst einmal ein Drehbuch zu schreiben.

Lutz Kreutzer, Organisator des Selfpublishing Days, führte kurz ins Thema Selfpublishing ein. Obwohl ich darin natürlich fit bin (schließlich verdiene ich mit meinem Pseudonym mein Geld in dem Bereich), habe ich noch Neues mitnehmen können.

Starke Figuren

Bettina Wüst Schlager stellte uns „Thea Script“ vor, eine Abwandlung der Transaktionsanalyse für Autoren.
Die Transaktionsanalyse ist ein Konzept aus der Psychologie, das auf einer bestimmten Theorie der Persönlichkeit basiert und mittels Kommunikation versucht, eigenes Verhalten zu reflektieren und abzuändern.
Thea Script bietet eine Art Werkzeugkasten für die Figurenerstellung, um ihnen Tiefe, Mehrdimensionalität und damit mehr Charakter zu verleihen.
Ein wahnsinnig spannendes Thema, das auf sehr große Resonanz stieß.
Am Sonntag fand ein dreistündiger Workshop dazu statt, den ich leider nicht besuchen konnte. Ich bin mir aber sicher, dass dort tolle Romanfiguren entstanden sind!

Zuletzt kam noch Volker Kutscher, Autor der Vorlage für Babylon Berlin, zu Besuch.
Mitorganisatorin Angela Eßer führte ein sehr unterhaltsames und sympathisches Gespräch mit ihm auf der Bühne.
Die Verfilmung der Kriminalromane aus den 1920er- und 30er-Jahre machte ihn berühmt, aber „Der nasse Fisch“, sein erster Gereon Rath-Roman, war nicht der Anfang seiner Schriftstellerkarriere. Volker Kutscher hat für sein großes Projekt viel gewagt, und obwohl es lange nicht danach aussah, hat sich sein Einsatz gelohnt.
Das Interview zeigt mal wieder, wie wichtig Ausdauer, Beharrlichkeit und der Glaube an sich selbst sind.
Am Ende habe ich mir natürlich auch ein Buch signieren lassen!

Den Abend ließen wir dann gemütlich in einem Brauhaus in der Kölner Südstadt ausklingen. Ich bin jetzt hochmotiviert, mich noch einmal ganz neu mit meinen Figuren und dem Plot für meinen nächsten Siegerland-Krimi auseinanderzusetzen!

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Interview im Kriminetz

„Gibt es hier eine Sommerpause?“, höre ich euch schon fragen.
Eigentlich nicht.
Mein anderes Ich musste allerdings den demnächst anstehenden Romantic-Thriller beenden, damit er termingerecht ins Lektorat gehen konnte. Deshalb war es hier ein wenig still.
Ab Ende August werde ich mich intensiv und ausschließlich um den neuen Siegerland-Krimi kümmern, damit er auch wirklich Anfang nächsten Jahres erscheinen kann!

Interview im Kriminetz

Claudia Schmid vom Kriminetz hat ein schönes Interview mit mir geführt – über Verbrechen im Siegerland, Autorennetzwerke, das Literaturcamp in Heidelberg und Pilgern auf dem Jakobsweg.
Hier geht es zum Interview im Kriminetz: Sieben Fragen an Melanie Lahmer.
Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen und ein paar schöne Sommertage – bis bald!

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Spannungsliteratur unter Erfolgsdruck

Schneechaos in Leipzig

Die Buchmesse in Leipzig liegt nun hinter mir, und weil ich schon am Freitag Abend wieder abgefahren bin, hat mich auch das Schneechaos nicht erwischt.
Zum Glück, denn auch heute noch lese ich Berichte von Menschen, die Leipzig nicht verlassen können – wegen Schnee oder Eis oder einfach, weil die Züge wegen Überfüllung nicht fahren.
Dabei dachte ich immer, das alljährliche Winterchaos gäbe es nur bei uns im Siegerland …
:)
All jenen, die heute noch einmal die Messe genießen möchten, wünsche ich einen schönen, inspirationsreichen und motivierenden Tag!

Vorspann „Autoren unter Druck“

Die Podiumsdiskussion am Freitag auf der Lesebühne war ein Erfolg. Wir hatten viele Besucherinnen und Besucher und hoffentlich ein paar interessante Punkte. Leider war die halbe Stunde, die uns zur Verfügung stand, viel zu kurz für all das, was sich hinter „Spannungsliteratur unter Erfolgsdruck“ verbirgt.
Deshalb werde ich in den nächsten Tagen einen längeren Artikel zum Thema verfassen (Edit: Es wurde eine dreiteilige und in Autorenkreisen ziemlich erfolgreiche Reihe).
Anbei schon mal ein – leicht verschwommenes – Foto:
Podiumsdiskussion LBM18

Melanie Lahmer, Eva Almstädt, Roman Hocke, Janet Clark, Jens J. Kramer
(Fotografin: Regina Schleheck)

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Podiumsdiskussion auf der Leipziger Buchmesse

 

Podiumsdiskussion

Wer von euch ist denn in den kommenden Tagen auf der Leipziger Buchmesse?
Am Freitag, 16. März, findet von 15.30-16 Uhr die Podiumsdiskussion zum Thema  „Spannungsliteratur unter Erfolgsdruck“ statt.
Organisiert wird sie von den Mörderischen Schwestern und dem Syndikat.
Moderiert wird die Diskussion von Janet Clark, und außer mir sitzen noch Autorin Eva Almstädt und Literaturagent Roman Hocke von AVA international auf der Bühne.
Ich bin sehr gespannt und freue mich auf viele neugierige Besucher!

Aus der Ankündigung

Die radikale Öffnung des Buchmarktes für Selfpublisher und der sprunghafte Anstieg von E-Only-Verlagen hat den Markt verändert. Wie wirkt sich dies auf die einzelnen Teilnehmer aus? In wie fern haben sich die Anforderungen/Ansprüche der Verlage/LeserInnen an AutorInnen verändert? Ist der Druck gewachsen? Was entscheidet über Erfolg und Nichterfolg? Welche Rolle spielt die Sichtbarkeit im Buchhandel versus in den sozialen Netzwerken?

Diesen und weiteren Fragen gehen Eva Almstädt (Autorin), Melanie Lahmer (Autorin) und Roman Hocke (Agent, AVA) auf den Grund.

Moderation: Janet Clark (Präsidentin Mörderische Schwestern)

Veranstalter: Mörderische Schwestern/Das Syndikat

Tatort:
Buchmesse Leipzig
Leseinsel
Halle 5
Stand D302

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Knochenfinder – die Neuauflage!

Knochenfinder

Knochenfinder kleinNeuauflage

Endlich ist es soweit – ich kann euch, quasi zwischendrin, meinen aktuellen Siegerland-Krimi präsentieren:
Knochenfinder, der erste Fall für die in Siegen ermittelnde Kommissarin Natascha Krüger und ihre Kollegen.

Knochenfinder erschien erstmals 2012 bei Bastei Lübbe und war einer der ersten Krimis, der Geocaching thematisierte. Der Roman erhielt ein Artist-in-Residence-Stipendium der Kunststiftung NRW, und ich durfte zwei Monate lang im Künstlerdorf Schöppingen leben und arbeiten.
Kurz nach der Veröffentlichung gewann mein Romandebüt den „Entdeckt!“-Autorenpreis von Amazon für neue Talente.
Der Siegerland-Krimi ging schon nach wenigen Wochen in die dritte Auflage und ist seit Anfang letzten Jahres ausverkauft.
Nachdem die Rechte von Bastei Lübbe an mich zurückgingen, habe ich mir ein Cover von meiner Wunsch-Designerin Claudia Toman von Traumstoff aus Wien erstellen lassen und den Inhalt aktualisiert.
Jetzt bin ich natürlich ganz gespannt, wie die Neu-Auflage bei den Leserinnen und Lesern ankommt und ob der Roman noch mal einen zweiten Frühling erleben darf – nach fast exakt sechs Jahren!

Änderungen

Download

Natürlich waren auch einige Veränderungen nötig – das Krupp-Hochhaus neben der HTS in Geisweid steht längst nicht mehr und musste auch im Buch gestrichen werden, und auch die Technik und die mediale Aufmerksamkeit haben sich verändert, sodass sich auch das Geocaching gewandelt hat.

Manche von euch werden Knochenfinder noch mit dem alten Cover von Bastei Lübbe im Regal stehen haben – oder?

Die Neuauflage von Knochenfinder gibt es vorerst exklusiv bei Amazon und ist auch Teil der KindleUnlimited-Auswahl.
Für ganz Schnelle gibt es das E-Book sogar noch zum Schnäppchenpreis: Klick!

Kuckucksbrut

Der Nachfolger von Knochenfinder ist ebenfalls bei Bastei Lübbe erschienen und überall im stationären Handel sowie auf den gängigen Online-Plattformen – als Taschenbuch oder E-Book – erhältlich.

Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen!
:)

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Auf die Reader, fertig, …

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Dieser Blog heißt Siegerland-Krimis, und genau darum wird es in den nächsten Tagen gehen: um einen Krimi aus Siegen und dem Siegerland.

Mehr werde ich allerdings noch nicht verraten, ihr müsst euch noch ein paar Stunden gedulden.
So viel kann ich aber schon andeuten: Ihr solltet eure Reader zücken!
:)
Ganz Ungeduldigen empfehle ich meinen Newsletter, dann verpasst ihr wirklich nichts und sitzt direkt an der Quelle:
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Wir lesen uns!

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Von Schwerverbrechern und Singlebörsen

Neue Wege

Für meine neue Siegerland-Krimi-Reihe probiere ich gerade etwas Neues für meine Figuren aus: passende Bilder im Netz suchen.
Ich weiß von einigen Kolleginnen und Kollegen, dass sie das bei jedem Buch machen, aber bisher fand ich das für mich unnötig. Ich habe ein sehr bildhaftes Gedächtnis und sehe meine Figuren immer plastisch und lebendig vor mir; Fotos von realen Personen würden mich da nur einschränken. Und viel wichtiger als die Frage nach einer großen oder kleinen Nase oder dem Bauchumfang ist ja die Psychologie, die Motivation, das Handeln der Figuren.
Dachte ich.

Frau am Laptop

Doch seit letzter Woche habe ich die neue Version meines Autorenprogramms auf dem Rechner (Papyrus Autor 9), das noch mehr Features bietet als die ältere Version (ich schreibe schon seit neun Jahren mit Papyrus, angefangen mit Version 2). Um die alle auszutesten, habe ich den Krimi als neues Projekt angelegt und klicke und probiere mich nun durch die vielen Möglichkeiten (Denkbrett, Zeitstrahl, Organizer, …).
Und weil man in Version 9 auch Fotos seiner Figuren in die Datenbank einpflegen kann, habe ich mich auf die Suche nach aussagekräftigen Bildern gemacht.

Bilder suchen

Aber mit welchen Begriffen suche ich nach geeigneten Fotos?
„Frau, hellblond“ war ganz gut, um ein Foto einer Nike-ähnlichen Frau zu finden. Sie passt nicht perfekt, ist aber nah dran.
„Gärtnerin“ führte mich umgehend zu Nikes Mutter Brigitte; unter „Senior“ fand ich dann Nikes Vater Hajo – allerdings erst  nach langer Suche. Hauptsächlich entdeckt man nämlich junge, hübsche Frauen unter dem Begriff „Senior“.
Sehr viel schwieriger waren allerdings die Verdächtigen zu finden.
Gebe ich Alter und Geschlecht ein, lande ich auf irgendwelchen Modelplattformen, auf Werbeseiten und erstaunlich oft beim Friseurhandwerk. Aber in meinen Romanen laufen keine gestylten Models herum, sondern mehr oder weniger normale Menschen (wobei ich „normal“ sehr weit fasse).
Ein paar Nebenfiguren habe ich dann auf Singlebörsen gefunden, andere unter „Verdächtiger“ oder „Kriminelle“ – da muss man dann allerdings die ganzen Politiker-Fotos aussortieren …

Bemerkenswert fand ich jedoch Nikes Mann Lukas, der eine tragende Rolle im ersten Fall spielt. Beim Schreiben seiner Szenen hatte ich immer einen Mann mit kurzen blonden Haaren im Kopf. Beim Suchen unter „Mann, blond“ fand ich dann plötzlich ein Foto, das perfekt zu dem Lukas passt, den ich geschrieben habe. Nur, dass der neue Lukas auf einmal dunkle Locken hat …
Aber der Mann auf dem Bild hat sofort mit mir „gesprochen“, und auf einmal wurde Lukas viel lebendiger und viel präsenter für mich – was sich natürlich deutlich auf die Figur innerhalb der Geschichte auswirkt. Einen ähnlichen Effekt hatte ich bei Nikes Zwillingsschwester Vic.

Fazit

1:
Es lohnt sich, seine Arbeitsweise zu überdenken und mal etwas Neues auszuprobieren. Man könnte positiv überrascht werden!
:)

2:
Man sollte sehr vorsichtig sein mit Fotos, die man von sich selbst oder von anderen Menschen ins Netz stellt. Sie könnten Vorbilder für sonderbare Romanfiguren werden!
(Im positiven Fall. Im negativen kann man ziemlichen Schindluder mit solchen Bildern treiben, erst recht mit Bildern von Kinden. Überlegt euch also gut, was ihr einstellt – und denkt dran: Das Internet vergisst nichts!)

Ich werde vermutlich auch für zukünftige Projekte in Bilddateien stöbern – denn neben all dem nützlichen macht es auch Spaß und man landet auf Seiten, die man sonst nie gefunden (geschweige denn gesucht!) hätte!
:D

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Zwangspause

 

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Leider bin ich seit mehr als einer Woche außer Gefecht gesetzt – ich habe eine verschleppte und ziemlich schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung an der rechten Hand.
Betroffen sind alle vier Finger-Sehnen auf dem Handrücken, was es mir nahezu unmöglich macht, die Finger zu bewegen. So kann man natürlich weder tippen noch die Computermaus bedienen.
Deshalb werde ich die längst geplanten (aber noch nicht geschriebenen) Blogbeiträge nach hinten verschieben.
Was aber noch viel schlimmer ist: So kann ich auch nicht am aktuellen Siegerland-Krimi weiterarbeiten, und der für Juni anvisierte Veröffentlichungstermin ist für mich wahrscheinlich nicht zu halten. Noch ist nicht abzusehen, wann meine Hand abgeheilt sein wird …
Dann müsst ihr eben mit älteren Beiträgen vorlieb nehmen!

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Plaudern mit Nike – Teil 3

 

Heute geht es weiter mit dem dritten und letzten Teil des September-Interviews mit Nike Klafeld, der Hauptfigur meiner neuen Siegen-Krimis.
Teil 1 findet ihr unter Darf ich vorstellen? Nike Klafeld!, der zweite Teil ist hier nachzulesen: Mit Nike im Café, Teil 2 – Figurenentwicklung.
Jetzt habe ich es endlich geschafft, auch den Rest des Interviews zu transkribieren und hoffe sehr, dass ich sie damit für euch zum Leben gebracht habe.

Nike, hattest du eine glückliche Kindheit?

Auf jeden Fall!
Meine Kindheit war eine fröhliche, unbeschwerte Schutzzone, aus der alles Böse herausgehalten wurde und in der das Positive überwog. Unsere Eltern haben viel mit uns unternommen, unserem Vater war es wichtig, dass seine Töchter mit einer gehörigen Portion Neugier durch die Welt gehen.
Während der Pubertät begann dieser Schutzwall zu bröckeln, unserer Mutter gelang es immer weniger, die Unbillen von uns fernzuhalten. Und wir taten natürlich unser Möglichstes, unsere eigenen Erfahrungen zu sammeln. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem Vic und ich begannen, unterschiedliche Wege zu gehen. Wir entfernten uns immer mehr voneinander, und manchmal waren wir auf unseren Lebenspfaden so weit voneinander entfernt, dass wir einander nicht einmal mehr sehen konnten.
Das hat sich im Grunde auch bis heute nicht geändert.

Was war das Gemeinste, was du je zu jemandem gesagt hast?

Oh, ich kann gut fluchen!
Aber ich bleibe dabei immer oberhalb der Gürtellinie. Mir fallen so ein paar Gelegenheiten ein, bei denen ich mich hinterher für meine Worte geschämt habe. Aber die werde ich dir ganz bestimmt nicht verraten! (lacht)
Andererseits weiß man ja nie, wie das Gegenüber reagiert und mit welchem Blick jemand durchs Leben läuft. Wer weiß schon, wie oft ich schon jemanden gekränkt habe, ohne mir dessen bewusst zu sein …

Wie war dein erster Kuss?

Irgendwie feucht und noch unbeholfen, aber definitiv leidenschaftlich!
Es war auf einer Party in der Schule und ich war fünfzehn. Der Junge war ein Austauschschüler aus Israel und ich habe ihn danach nie wiedergesehen. Was wahrscheinlich auch ganz gut war. (lacht)

Was war das Schrecklichste, das du jemandem angetan hast, den du liebtest?

Mit einer Entscheidung, die auch mit unserer Beziehung zu tun hat, habe ich Lukas ziemlich weh getan. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen, weil das eine Sache allein zwischen ihm und mir ist.
Es ist zwar offiziell kein Thema mehr zwischen uns, aber ich merke, dass es unterschwellig immer noch vorhanden ist.

Wofür schämst du dich am meisten, wenn du an die Vergangenheit denkst?

Kennst du Domian, die Talkshow im Radio?
Da hab ich mal angerufen.
Ich hatte so verdammten Liebeskummer wegen eines Typen, der es noch nicht einmal verdient hatte. Und weil ich nicht weiter wusste und dieses beinahe unerträgliche Gefühl loswerden wollte, habe ich beim Radio angerufen. Damals war das für mich irgendwie logisch; meine Freundin Tina und ich haben nächtelang am Radio gesessen und Domians Ratschlägen gelauscht. Er war immer so ruhig und besonnen und hat die Anrufer ernst genommen, und da dachte ich, dass er mir vielleicht auch helfen könnte.
Im Nachhinein kam ich mir völlig blöd vor, aber der Anruf und das öffentliche Gespräch mit Jürgen Domian im Radio hat mir geholfen, Abstand zu der Sache zu bekommen.
Und ich würde noch nicht einmal von mir weisen, dass dieser Anruf auch dazu geführt haben könnte, dass ich Psychologie studieren wollte.

Auf was bist du stolz, wenn du an die Vergangenheit denkst?

Ich bin auf meine Familie stolz, denn wir hatten einen sehr holprigen Start.
Lukas und ich waren noch gar nicht lange zusammen, ich war mitten im Studium, er hatte gerade bei der Polizei begonnen – und dann war ich auf einmal schwanger.
Wir hatten kein Geld, keine gemeinsame Wohnung und fühlten uns eigentlich beide noch viel zu jung für ein Kind. Also haben wir uns zusammengesetzt und einen Plan gemacht, der uns beiden ermöglichte, unsere Ausbildung beziehungsweise das Studium zu beenden.
Ich habe vier Urlaubssemester eingereicht, damit Lukas seine Ausbildung beenden konnte, und als er dann einen festen Job hatte und Malte in den Kindergarten ging, habe ich mein Psychologie-Studium wieder aufgenommen und mit ziemlich guten Noten abgeschlossen. Später, als Malte dann größer war, wurde alles ein bisschen einfacher und ich konnte mich um die Weiterbildung zur Psychotherapeutin kümmern – nebenberuflich.
Ich bin stolz darauf, dass wir als Familie diese harte erste Zeit gemeinsam geschafft haben, auch wenn das nicht immer reibungslos vonstattenging.

Wann hast du das letzte Mal geweint und warum?

(Nike blickt an mir vorbei aus dem Fenster, dann zieht sie die Unterlippe ein und nickt sachte)
Mit dieser Frage triffst du einen ganz wunden Punkt bei mir.
Ja, es gibt etwas, das mich manchmal zum Weinen bringt. Aber ich muss das erst für mich klären und einen Umgang damit finden, bevor ich darüber reden kann.
Mehr mag ich dazu nicht sagen.

Welche schlechte Angewohnheit möchtest du gern loswerden?

(Sie nimmt ihre Kaffeetasse und hält sie mir vor die Nase)
Hier, das ist mein Laster. Ich sollte weniger Kaffee trinken und mich insgesamt gesünder ernähren. Aber irgendwie schaffe ich das nicht.
(Sie trinkt einen Schluck und grinst mich dann an)
Ach, eigentlich will ich auch gar nicht.

Wenn du eine Sache ändern könntest, was wäre das?

Klingt banal, aber wenn ich die Macht dazu hätte, würde ich etwas am Weltfrieden ändern. Dann hätten wir weniger gefährliche Egomanen in Machtpositionen und mehr kluge Strategen mit Weitsicht.
Aber vielleicht sollte ich eher im Kleinen anfangen und mich selbst in der Politik engagieren.
(Nike hält einen Moment inne, dann winkt sie ab)
Dafür bin ich ohnehin zu ungeduldig, das würde nicht funktionieren.

Wofür kämpfst du oder setzt du dich ein? Welche Ziele hast du?

Ich versuche jeden Tag, einen Menschen glücklich zu machen.
Manchmal reicht schon ein freundliches Wort oder eine nette Geste, damit mein Gegenüber einen schönen Moment erlebt, der ihn vielleicht sogar über den Tag trägt.
Und wenn dieser Mensch das Lächeln an einen anderen weitergibt, dann habe ich mit ganz wenig Aufwand für viele Menschen die Sonne scheinen lassen.
Wir alle sollten viel öfter lächeln!

Vielen Dank, Nike, für das tolle Interview! Ich hatte viel Spaß dabei und freue mich, dass du hier so öffentlich aus dem Nähkästchen geplaudert hast!

Hab ich gern gemacht!
Aber jetzt muss ich los, in einer halben Stunde habe ich einen Termin, bis dahin muss ich wieder in meiner Praxis sein.
Ciao!

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Mit Nike im Café, Teil 2 – Figurenentwicklung

 

Heute kommt der zweite Teil des Interviews mit meiner neuen Hauptfigur Nike Klafeld.
Den ersten Teil könnt ihr hier noch einmal nachlesen.
Zur Erinnerung: Wir sitzen immer noch in der Oberstadt im Café, trinken beide einen Cappuccino und schauen ab und zu aus dem Fenster auf die vorbeieilenden Passanten. Draußen ist es bewölkt – vielleicht sind die Menschen deshalb so grimmig unterwegs.

Nike, in welche Gesellschaftsschicht wurdest du hineingeboren?

Mein Vater war Lehrer am Gymnasium und unterrichtete Geschichte und Sport. Daher auch die glorreichen Namen für seine Zwillingstöchter: Nike und Victoria, die Göttinnen des Sieges. Nike griechisch, Victoria römisch. Leider waren damit auch bestimmte Erwartungen verknüpft, die wir aber beide nicht wirklich erfüllt haben.
Meine Mutter war Postbeamtin und hatte das Glück, nach der Privatisierung dort bleiben zu können.
Wir wuchsen also in einem Beamtenhaushalt mit geregeltem Einkommen auf. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich mit einem Polizeibeamten verheiratet bin!

Wie groß ist deine Familie?

Zu meiner Kernfamilie gehören mein siebzehnjähriger Sohn Malte und mein Mann Lukas. Wir haben erst geheiratet, als Malte schon in den Kindergarten ging und endlich einer von uns einen festen Job hatte.
Dann sind da noch meine Eltern, beide Mitte siebzig, und meine Zwillingsschwester. Vic wohnt in der Nachbarschaft unserer Eltern, ich habe ein paar Kilometer Distanz zwischen uns gelegt. Meine Eltern haben eine symbiotische Beziehung, keiner kann ohne den anderen, man trifft sie kaum allein an. Manchmal frage ich mich, ob sie auch zusammen aufs Klo gehen, wenn niemand da ist.
Mir ist das viel zu eng, ich bekomme keine Luft mehr, wenn ich zu lange mit ihnen zusammen bin. Vic kommt damit besser klar. Für sie ist es am wichtigsten, dass sich so wenig wie möglich ändert. Und da unsere Eltern schon immer so waren, ist es für sie okay.
Unsere Großmutter ist vor zwei Jahren gestorben. Sie ist 96 geworden!
Dann haben wir noch drei Cousins, die Söhne der Schwester unserer Mutter. Aber die leben an der Nordsee und wir haben so gut wie keinen Kontakt miteinander.

Was bedeutet dir Familie?

Der Begriff »Familie« kann so viel beinhalten: Die Herkunftsfamilie mit Eltern und Geschwistern, aber auch die eigenen Kinder und der Partner oder die Partnerin.
Aber auch Freunde können eine Familie sein und sind manchmal sogar wichtiger und vertrauter, weil es sich um selbst gewählte Beziehungen handelt.
Aber das wird jetzt philosophisch, fürchte ich (zwinkert).
Familie ist für mich jedenfalls das Wichtigste neben Gesundheit. Und manchmal kommt man eben erst später – oder zu spät – darauf, was man an seiner Familie hat.

Wer war deine Bezugsperson als Kind?

Oh, diese Frage ist für Zwillinge einfach zu beantworten (lacht)!
Immerhin habe ich mir den Mutterbauch mit Vic teilen müssen, sie war also schon da, bevor unsere Mutter richtig in unser Leben trat!

Welche ist deine glücklichste Kindheitserinnerung?

Wenn ich zurückblicke, fallen mir viele glückliche Situationen ein.
Der Urlaub auf dem schleswig-holsteinischen Bauernhof zum Beispiel, bei dem meine Schwester auf einem gefleckten Hausschwein geritten ist. Oder die Abende, die wir bei unserer Großmutter hinterm Haus auf der Bank verbracht haben, um Bohnen zu schnippeln oder Kirschen zu entkernen.
Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann spielen all die schönen und glücklichen Kindheitserinnerungen im Sommer. Das ist dann wohl meine Jahreszeit!

Hast du einen besten Freund, eine beste Freundin? 

Tina ist meine beste Freundin, aber sie ist vor acht Jahren mit ihrem jetzigen Mann ins Allgäu gezogen, sodass wir uns nicht mehr so häufig sehen wie früher. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, wir haben uns in der Oberstufe kennengelernt und hatten an der Uni einige Vorlesungen zusammen. Sie hat dann aber ihr Studium abgebrochen und eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht. Insofern passt sie also super ins Allgäu!

Wie sieht dein übriger Freundeskreis aus?

Lukas und ich haben viele gemeinsame Freunde, die sich im Laufe der vielen Jahre, die wir zusammen sind, zusammengefunden haben. Mit Doro und Henning sind wir bis vor ein paar Jahren regelmäßig nach Holland gefahren, aber seit sie ihre drei kleinen Kinder haben, hat sich das ein wenig verlaufen. Klara kenne ich noch vom Hundeverein und sie ist, seit Tina weggezogen ist, meine engste Vertraute. Sie kommt gern unerwartet vorbei und ist manchmal nicht da, wenn wir verabredet sind.

Was ist dir bei deinen Freunden wichtig?

Offenheit und Ehrlichkeit. Und dass wir füreinander da sind. Das obligatorische Haustüröffnen, wenn ich nachts um drei dort klingele. Aber ich will nicht einfach nur Gutes von meinen Freunden hören, sondern sie sollen ehrlich sein. Und wenn ich Mist gebaut oder etwas Blödes gesagt habe, sollen sie mir das direkt sagen, damit ich darauf reagieren kann. Das Schlimmste für mich ist, wenn man hintenrum über andere spricht, statt sie direkt auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.

Was magst du bei anderen überhaupt nicht?

Das passt ja schon zu der anderen Frage: Mit Unehrlichkeit kann ich nichts anfangen. Aber glücklicherweise funktionieren meine Sensoren diesbezüglich ganz gut und ich merke es recht schnell, wenn Menschen nicht authentisch sind und mir etwas vorspielen. Das kommt mir schließlich auch im Beruf zugute.

Magst du Haustiere? 

Bis vor ein paar Jahren hatte ich einen kleinen Mischlingshund. Nach Bertis Tod habe ich mich gegen einen neuen entschieden, hauptsächlich aus Zeitgründen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich nicht doch eines Tages noch mal einen haben werde. Mal schauen!

Der dritte und letzte Teil des Interviews geht in den nächsten Tagen online. Wenn ihr nichts verpassen wollt, könnt ihr gern meinen Blog abonnieren – und ihr könnt euch schon mal für meinen Newsletter eintragen, denn da wird es noch in diesem Jahr eine Überraschung geben (aber die behalte ich natürlich vorerst für mich, es ist ein kleines Weihnachtsgeschenk, und … ach, ich bin jetzt still, damit ich mich nicht verplappere!)

Teil 1 findet ihr hier: Darf ich vorstellen? Nike Altmann!
Teil 3 könnt ihr hier nachlesen: Plaudern mit Nike – Teil 3

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